Ich bin dann (mal wieder) weg!

Ein klitzekleines bisschen verwöhnt komme ich mir ja schon vor… Immerhin war ich ja gerade erst (und gefühlt war’s sogar erst gestern) in Amerika. Ich war doch eigentlich noch nicht mal so wirklich und vollkommen wieder hier; selbst das Fernweh hat zwar zwischenzeitlich bereits leise und vorsichtig angeklopft, sich aber noch nicht mit aller Wucht zurück gemeldet. Und nun?Geht es noch einmal weg. Auf Reisen.

Wenn aus: „Lass uns vereisen“…

Ähnlich wie im Falle unseres Trips nach Amerika, ist auch diese Reise bereits seit Monaten geplant; selbst gebucht wurde schon alles im Mai. Zumindest was Unterkünfte angeht, bin ich kein Mensch für spontane Pläne… Und fühle mich auch irgendwie schon ein bisschen zu alt für’s notfalls im Auto schlafen (übrigens auch für verranzte Hostels; irgendeinen Vorteil muss es ja haben mittlerweile erwachsen zu sein). Gerade im Zweifelsfall eher kalten und nassen Schottland.

Und so wurde aus unserer anfänglichen Lust irgendwohin zu fahren, schnell der Plan noch einmal Schottland zu erkunden. Immerhin und gerade weil wir beim letzten Mal eigentlich nur Edinburgh so richtig erkundet hatten und unser einziger Tag in den Highlands dann auch (…) der einzige verregnete war. Da zeigt sich tagelang das schottische Wetter von seiner besten Seite und kaum ist man in der Wildnis, schüttet es wie aus Kübeln. Tja…

… und der Idee auf die Isle of Skye zu fahren…

Was mit der groben Idee begann in die Highlands zurück zu kehren, führte zum Beschluss dieses Mal der Isle of Skye definitiv einen Besuch abstatten zu müssen und endete unerwartet damit, dass wir den Roadtrip auf zwei Wochen ausdehnen konnten (Leute, was bin ich froh, dass ich zumindest in der Theorie niemanden über meine Urlaubstage Rechenschaft ablegen muss!) und nun auch über den North Coast 500 bis John o’Groats – dem nördlichsten Zipfel des Festlandes –  fahren können.

… am Ende ein zweiwöchiger Roadtrip wird.

Ich weiß jetzt schon, dass ich die nächsten zwei Wochen – dabei hatte ich meine Hemmungen Englisch zu sprechen gerade erst abgelegt! – nichts verstehen werde. Rein gar nichts. Aber wer versteht schon die Schotten…? Das habe ich auch beim letzten Mal nicht getan. Und meine Anreise (zum Ablflugsort! Natürlich zum Abflugsort; mit der Bahn nach Schottland zu fahren würde selbst einem Flugzeuge-Hasser wie mir nicht einfallen) mit der lieben deutschen Bahn wird wohl auch eher wieder nervig werden. Und vielleicht werde ich ein bisschen frieren und nass werden. Immerhin hat mir schon Irland gezeigt, dass es dafür so schnieke Gummi-Regen-Hosen gibt. Und auch eine Mütze ist eingepackt. Für alle Fälle (auf eine Wärmflasche habe ich dann allerdings doch verzichtet; jedoch nur, weil ich bezweifle in jedem B&B einen Wasserkocher vorzufinden…).

Ich werde die nächsten zwei Wochen also sehr sexy – ein Attribut, dass auch definitiv zur Blümchen-Bettwäsche, die uns schon bei der Buchung eines B&B so positiv ins Auge gefallen ist, passt (was die Unterkünfte angeht bin ich echt gespannt!) – aber auch sehr, sehr happy Schottland erkunden.

Bis dahin: Tìorraidh ma-thà!

(Falls das überhaupt Gällisch/Schottisch ist…)

San Francisco und ich – eine Liebesgeschichte mit eingeschlagenem Fenster

Seit meinem ersten Besuch vor ein paar Jahren hat sich meine Beziehung zu San Francisco im Wesentlichen nicht geändert: San Francisco ist die schönste Stadt der Welt. Danach kommen Venedig und Nagasaki – eine abenteuerliche Mischung, nicht wahr? – und anschließend streiten sich ein paar tolle Städte, ohne das ein klarer Sieger hervorgeht, um die folgenden Ränge; aber San Francisco, jene hügelige Stadt an der Küste Kaliforniens, ist und bleibt für mich die tollste Stadt überhaupt.

Dabei kann ich nicht einmal genau sagen was mich an ihr so reizt. Mit Sicherheit all die schmalen, wunderschönen, alten Häuser. Die Golden Gate Bridge. Oder die Piers. Und diese ganz besondere Mischung aus unglaublich sanften, goldenen Licht und dem Meer. Aber auch die zahllosen Hügel. Die es einem zwar anstrengend, aber nicht unmöglich machen die ganze Stadt – eine Mischung aus alten Bauten und modernen Hochhäusern, die trotz ihrer Gegensätze doch so gut zueinander passen – zu Fuß zu erkunden (was ich vor ein paar Jahren und bei meinem ersten Mal in ihr auch getan habe; tatsächlich ist die eigentliche Stadt nämlich relativ klein). Und selbst der beinahe immer allgegenwärtige Nebel – der den Touristen öfter als nicht den Blick auf die Golden Gate Bridge verwehrt – hat seinen Reiz. Vor allem, und ganz besonders, wenn es ein sonniger Tag war und er erst gegen Abend in die Bucht rollt; vom untergehenden Sonnenlicht feuerrot gefärbt.

Egal wo ich war – und ich hatte in den letzten Jahren das Glück ganz schön herum zu kommen – gab es keine schönere Stadt für mich.

Wenn Zurückkommen weh tut…

Und so war der Stop in San Francisco, als wir vom Yosemite Nationalpark zurück an die Küste fuhren, für mich nicht nur ein nötiges Übel, sondern ein Muss. Nachdem ich beim ersten Mal dort, die Stadt komplett zu Fuß erkundet hatte und mich dabei auf auf die älteren Viertel konzentriert hatte, während meines zweiten Besuchs im eher modernen Bankenviertel unterwegs war, wollte ich nun – endlich mit Mietwagen – zwar dem Pier und den Seelöwen einen kurzen Besuch abstatten, mich dann aber vor allem auf Aussichtspunkte auf die Golden Gate Bridge konzentrieren. Die hatte ich bei den letzten Malen – dank Nebel – nämlich nie in ihrer vollen Pracht gesehen.

Das Wetter dafür stimmte (kein Nebel in Sicht!), die Seelöwen waren eher träge und hatten allem Anschein nach an jenem Tag nicht viel mehr als Schlafen auf ihrer Agenda und so kehrten wir bereits nach recht kurzer Zeit zu unserem Auto zurück. Das hatte vermeintlich sicher in einer Nebenstraße, nur wenige hundert Meter vom Pier entfernt, gestanden. „Vermeintlich“ sicher, denn während wir allerhöchsten einen Strafzettel für die Überziehung der Parkgebühren (die haben dort aber auch ein doofes System…) erwarteten, begrüßte uns anstatt dessen ein Auto, mit einem Fenster weniger. Und ich – wie immer mit der Kamera heillos hinterher hinkend – hielt das im ersten Moment noch für einen Scherz, als einer – Schwester oder Papa; so genau weiß ich das nicht einmal mehr – nüchtern feststellte: „Da fehlt ein Fenster.“

Auf kurze Panik – da hatte ich zur Abwechslung definitiv mal einen höheren Blutdruck als 90/60 – folgte maßlose Erleichterung, als wir feststellten, dass weder Koffer noch die Tasche mit den wichtigsten Dokumenten weg gekommen war. Heilfroh wie wir waren, fiel uns tatsächlich auch erst viel später auf, was denn gestohlen worden war. Koffer? Check. Tasche mit Flugtickets und Reservierungsbestätigungen? Check. Kamera etc.pp? Hatte ich eh dabei. Nur der Rucksack meiner Schwester – der war weg.
Aber das kapierten wir in unserer grenzenlosen Naivität, in der wir annahmen jemand wollte einfach nur gemein sein und Fenster einwerfen, erst beim Umladen des Gepäcks ins neue Auto.

Zunächst herrschte einfach nur Verwirrung.

Bevor wir bei unseren Überlegungen allerdings über: „Wir müssen die Mietwagenfirma und die Polizei anrufen.“, hinaus kamen und uns ersthaft fragen mussten (ihr wisst schon: akute Verwirrung und so) welche Nummer die Polizei in Amerika überhaupt hat, kam ein freundliches Ehepaar, mittleren Alters, mit dem Rad vorbei.

… und man dennoch mit einem blauen Auge davon kommt.

Und was dann passierte, war etwas, was man in Deutschland wahrscheinlich nur in Ausnahmefällen und mit ganz viel Glück erleben würde: grenzenlose Hilfsbereitschaft!

Die beiden riefen nicht nur sofort von ihrem Handy aus die Polizei für uns an (weil wir ja mit Sicherheit keine amerikanische SIM Karte haben und uns so ja dumm und dämlich zahlen würden), klärten den Fall, reagierten genervt und mit Unverständnis auf das „too busy“ der Polizei und da sie leider selbst keine Zeit mehr hatten, verwiesen sie uns an den Arbeitsplatz der Ehefrau. Der befand sich nicht nur gleich ums Eck, man versicherte uns auch, dort könnten wir in Ruhe mit der Mietwagenfirma telefonieren. Und damit man uns da auch ja freundlich empfangen würde, fuhren die beiden auch gleich noch eben mit dem Rad vorbei und klärten die Lage.

Tatsächlich verbrachten wir die folgende Stunde an der Rezeption eines Fitnessstudios (das übrigens derart edel und modern eingerichtet war, dass ich mir in Sportklamotten „underdressed“ vorgekommen wäre) am Telefon und wurden munter von einem verantwortlichen Mitarbeiter der Mietwagenfirma zum nächsten verbunden.

Aber anstatt die Geduld mit uns zu verlieren, teilte man fröhlich mit uns das WLAN Passwort und half – trotz um uns herum weiterlaufenden Betriebs – aus, als uns die Sache wirklich zu bunt wurde und man nach dem x-ten Weiterverbinden, annahm ich wäre eine Dame aus Orlando (Florida…), der der Wagen geklaut worden war.

Aus „Wir lassen Sie auf gar keinen Fall mit einer kaputten Scheibe weiterfahren“, wurde zwar recht schnell: „Schaffen Sie es bis zur Filiale am Flughafen?“, dennoch konnten wir uns an diesem Nachmittag wirklich nicht über mangelnde Hilfsbereitschaft beschweren. So blöd das alles war und auch wenn der Tag spätestens als wir bemerkten, dass eben doch etwas – der Rucksack meiner Schwester voller persönlicher Sachen – gestohlen wurde, gelaufen war, machten zumindest die Menschen um uns herum alles etwas besser.

Daran, dass wir uns am Ende 45 Minuten durch den Feierabendverkehr San Franciscos zu einer McDonald Road quälten, nur um am Ende festzustellen, dass passiert war, was eben immer passiert wenn irgendwie alle mit den Nerven am Ende sind, und wir mit Nichten an einer Filiale der Autovermietung, sondern mitten im Nirgendwo gelandet waren und anschließend wiederum 1 1/2 Stunden in die andere Richtung zur McDonnell (…) Road mussten, waren die wahrlich nicht schuld!

Und obwohl wir an diesem Abend völlig ausgehungert und ziemlich dünnhäutig ins Motel zurückkehrten, war ich spätestens am nächsten Tag – und endlich an jenem Aussichtspunkt angekommen – wieder mit dieser wunderschönen Stadt versöhnt. Wie sollte es auch anders sein? Bei Sonnenuntergang, am Strand, mit umverhangenem Blick auf die Golden Gate Bridge?

San Francisco ist und bleibt die schönste Stadt der Welt für mich!

„San Francisco has only one drawback, it’s hard to leave“ – Rudyard Kipling

San Francisco bei Sonnenuntergang; Kalifornien

San Francisco bei Sonnenuntergang; Kalifornien

San Francisco bei Sonnenuntergang und Nebel; Kalifornien

San Francisco bei Sonnenuntergang und Nebel; Kalifornien

Fahrt über die Bay Bridge nach San Francisco; Kalifornien

San Francisco; Kalifornien

San Francisco; Kalifornien

San Francisco; Kalifornien

Strand San Francisco bei Sonnenuntergang; Kalifornien

Golden Gate Bridge vom Strand aus; San Francisco; Kalifornien

Abenteuer mit der Bahn…

Zugfahren könnte so gemütlich sein. Also in der Theorie. Die Praxis sieht meistens leider ganz anders aus. Da wird weder gemütlich gelesen, noch in Ruhe gearbeitet (wobei WLAN in der deutschen Bahn ja sowieso ein Mythos ist), geschweige denn in Ruhe geschlafen (wie kann man auch verlangen nach bereits zweimaligem Vorzeigen des Tickets – wohlgemerkt beim gleichen Schaffner – bei dessen dritten Rundgang nicht auch noch deswegen aufgeweckt – ja, mit an der Schulter rütteln! – zu werden…). Und wenn die Bahnangestellten einen schlafen lassen, hält es eine Mutter für eine gute Idee ihrem Kind ein Xylophon in die Hand zu drücken. Damit es die anderen Gäste nicht so mit seinem Geschrei stört… Versteht mich nicht falsch, ich bin die letzte die dafür ist Kinder mit Smartphone, Tablet und Co ruhig zu stellen. Nur frage ich mich, ob es wirklich ein Xylophon sein muss?

Nein, eine Fahrt mit der deutschen Bahn verläuft leider selten so entspannt, wie man sich das wünschen würde.

Gerade, wenn man die selbe Strecke in recht regelmäßigen Abständen fährt, fällt auf: irgendwie ist da der Wurm drin. Ich möchte an dieser Stelle ungern Witze auf Kosten Suizidgefährteter machen, allerdings bezweifle ich stark, dass sich auf meiner „Stammstrecke“ wirklich jedes Mal (Donnerstag; früher Nachmittag) jemand vor den Zug wirft (gefolgt von Montagmorgen; ebenfalls sehr beliebt bei Selbstmördern). Was noch dazu stets die obligatorische Verspätung von „wenigen Minuten“ bis (nach Ablauf dieser) zu genau „55 Minuten“ verursacht.

Ich habe ja die böse Vermutung, dass die bei der deutschen Bahn bis zur 55-Minuten-Grenze total gelassen und locker bleiben; aber so bald die eine Stunde Verspätung immer näher rückt, ganz plötzlich schnell werden. Denn nach Ablauf dieser, müssten sie ja Teile des Fahrkartenpreises zurück erstatten…

Beim Bahnfahren habe ich schon mehr erlebt, als mir lieb ist. Von irrsinnigen Verspätungen (die darin gipfelten, dass der Zug nicht mal mehr München anfuhr und ich Mitten in der Pampa stand; meilenweit entfernt vom Anschlusszug in die Heimat) bis hin zu wahren Selbstmordwellen. Entschuldigt, aber wenn sich auf einer Strecke und an einem Tag mal angeblich drei Leute vor den Zug werfen, werden sogar gutgläubige Menschen skeptisch.

Muss ich eigentlich erst von Reservierungen (für die man immerhin extra zahlt) anfangen, die in den seltensten Fällten funktionieren? Während ich diese Zeilen schreibe, sitze ich in einem Wagen, dessen Sitze größtenteils reserviert sind, in dem jedoch die Anzeigetäfelchen nicht funktionieren. „Die Reservierungen für diesen Wagen sind zur Zeit noch gesperrt“, so die Aussage eines Bahnangestellten. Tja. Schön, für die beiden älteren Damen mit ihren großen Koffern, die erst mal zehn Minuten herum geirrt sind, bis ihnen das mal jemand gesagt hat. Oder all den Menschen, die nun ständig suchen, diskutieren und genervt wieder Plätze räumen, die sie schon als ihren angesehen haben. Dufte Stimmung vorprogrammiert…

Na ja, immerhin noch besser als Züge, die komplett überbucht sind. Überbucht… was ist das eigentlich? Das frage ich mich schon immer bei Flugzeugen. Wie kann man mehr Tickets verkaufen als Plätze vorhanden sind? Wie geht das? So stand ich auch schon einmal im digitalen Zeitalter (später: saß; hatte mich bei einer dreistündigen Fahrt irgendwann meinen müden Beinen ergeben) direkt neben dem Klo. Immerhin konnte ich so jeden vorbeikommenden Gast darauf hinweisen, dass die Klotür nur klemmt und nicht das Klo seit zwei Stunden permanent belegt ist…

Aber all das ist immer noch besser, als ein Zug, bei dem auf die Durchsage: „Leider ist unserer Klimaanlage ausgefallen.“, (natürlich an einem Tag mit deutlich über 30° Außentemperatur; wie sollte es auch anders sein!) ein: „Auch unser WLAN steht heute nicht zur Verfügung.“, folgt!

Ich bin bisher nur sehr selten pünktlich und ohne Probleme irgendwo angekommen. Ob es dieses Mal klappt? Noch ist alles offen, alles kann passieren.

Aber dann doch lieber gleich mit so richtig viel Verspätung; so gibt’s immerhin Geld zurück.

PS: Übrigens fiel mein Anschlusszug später komplett aus. Warum? Das wusste keiner. Einfach so halt…