Zurück…

Im Radio laufen noch die gleichen Lieder. Die selben, die auch vor drei Wochen schon als „neu“ angepriesen wurden. Das passt irgendwie. Das passt zu meine Gefühl ganz lang und doch nur kurz weg gewesen zu sein. Dieses Gefühl, dass sich immer dann einstellt, wenn man objektiv betrachtet keine allzu lange Zeit weg war, in der aber so viel erlebt hat, dass man sich im Nachhinein frägt, wie all das überhaupt in diese kurze Zeitspanne passen konnte. Wenn man doch dafür eigentlich einhalbes Jahr hätte weg sein müssen. Mindestens.

Im Vorfeld unserer Reise nach Amerika, gab es so einige die fragten: „Wie könnt ihr nur Trump unterstützen?“
Mal davon abgesehen, dass wir nicht darüber diskutieren müssen, dass politisch in Amerika so einiges schief läuft (aber nicht nur dort!), lautete meine Antwort stets: „Immerhin hat ihn eine Hälfte der Leute dort nicht gewählt…“

Ich kann natürlich nur für einen sehr kleinen Teil der Bevölkerung, und dabei auch nur von dem Bruchteil der in Kalifornien lebt, sprechen. Dennoch kann ich mit Fug und Recht behaupten, dass man den Amerikanern zwar so einiges vorwerfen kann – Oberflächlichkeit zum Beispiel – aber nirgendwo auf der Welt derart viele freundliche und hilfsbereite Menschen trifft.

Da war zum Beispiel jenes Ehepaar, dass uns sofort ihr Handy lieh, als sie sahen, dass das Fenster unseres Mietwagens eingeschlagen worden war. Die uns, nachdem die Polizei aktuell „too busy“ war, an ihren Arbeitsplatz um die Ecke verwiesen, wo man uns nicht nur über eine Stunde mit Autovermietung und Co. telefonieren lies, sondern trotz stressiger Arbeit (die nebenbei erledigt werden musste) mit Rat und Tat zur Seite stand (und als klar war, dass sich die Sache noch etwas ziehen würde, bekam meine Schwester sogar das WLAN Passwort angeboten). Da gab es unzählige zuvorkommende Einheimische, Kellner und Angestellte. Einmal zum Beispiel eine Dame in einem Motel. Als sie uns zufällig gegen Mittag sah, lief uns die Rezeptzionistin sogar hinterher. Um Bescheid zu geben, dass sie Gutscheine für den Lunch in einem Restaurant hätte… Oder eine Gruppe Jugendliche am Strand, die sofort halfen, als ein Opa samt Enkelin, die gerade weder Sand, noch Sonne, noch ihren Hut akzeptabel fand, mit dem Aufbau eines widerspenstigen Zeltes zu kämpfen hatte…

Ich glaube diese absolut alltägliche und vollkommen selbstverständliche Hilfsbereitschaft werde ich am meisten vermissen.

Auch die unendlichen Landschaften. Oder die Wärme. Das sanfte, goldene – so wunderschöne! – Licht.

Vielleicht die Staus in LA etwas weniger… (Ich wünschte die Amerikaner wüssten was ein Rechtsfahrgebot ist…)

Kurz gesagt: ich bin zurück. Mein Urlaub war wunderschön (sogar einer der schönsten überhaupt). Und es haben sich viele Dinge zum erzählen angestaut.

Zeit für eine Sommerpause

Irgendwie habe ich es kaum mitbekommen, auf einmal war alles grün, es war heiß und es ist Sommer. Ehe ich mich versah ist nun auch wieder jene Zeit im Jahr, in der ich mich erst einmal verabschiede. Zwar gab’s in letzter Zeit eh nicht mehr als einen Blogpost pro Woche, dieses ganze „ich mach’s offiziell“ wäre wohl also nicht mal nötig, aber sei’s drum, ich mach’s trotzdem: die nächsten Wochen bin ich auf Reisen und hier wird es ruhig. Also still, komplett.

Kurz vor so einer Reise beschleicht mich dann ja immer das schlechte Gewissen… Warum? Tja, da kommt wohl die Disziplin in mir durch. Vor allem oder gerade weil es im September gleich wieder weg geht. Einerseits freue ich mich auf beide Reisen seit Monaten, habe wirklich zahlreiche Stunden in die Planung gesteckt und habe auch definitiv das Gefühl mir das verdient zu haben. Andererseits… irgendwie hat man als Selbstständige immer das Gefühl es gibt keinen richtigen Zeitpunkt für Urlaub! Ob Kinder oder Urlaub – wahrscheinlich gibt es den auch nicht.

Trotzdem gestehe ich mir ein, dass es höchste Zeit wird mal wieder rauszukommen. Gerade weil ich daheim nun immer schwerer und schlechter abschalten kann und ich selbst merke, wie sich auch an meinem freien Tag die Gedanken an die Arbeit einschleichen und mich nicht so ganz los lassen. Herumreisen, beinahe jeden Tag irgendwo anders schlafen gehen und neues Entdecken waren da schon immer das Heilmittel Nummer 1 für mich.

Und dieses Jahr erfülle ich mir einen großen Traum. Es geht nicht nur nach Amerika und erneut nach Kalifornien; nein. Ich werde dabei auch all jene Punkte abhaken, die seit Jahren und meinem allerersten Besuch in diesem Land auf meiner Liste stehen. Wandern im Yosemite, dort mehr als nur einen Tag bleiben, mehr von der Küste Kaliforniens erkunden, endlich, endlich, endlich Salvation Mountain besuchen (nachdem „Into the Wild“ für viele, viele Jahre die Liste meiner Lieblingsfilme angeführt hat…) und der schönsten Stadt der Welt – San Francisco – einen Besuch abstatten (auf Platz 2 und 3 befinden sich übrigens Venedig und Nagasaki; abenteuerliche Mischung, nicht wahr?).

Es wird also ziemlich perfekt und hier sehr ruhig werden.

Also dann: man liest sich Mitte/Ende Juli wieder. Genießt den frühen Sommer (zumindest heiß isser ja schon mal…)!


PS: Wenn ich eine Plattform in dieser Zeit nutzen werde, wird es Instagram sein.

Muss man als Chef ein Arschloch sein?

Anstoß für diesen Gedanken war eine Doku, die ich neulich zufällig auf YouTube entdeckt habe. Darin stellt sich Max Joseph, nachdem er bei seinem ersten großen Film Regie geführt hat (bei dem es sich übrigens um „We are your friends“ handelt; ziemlich gut und kreativ gefilmt und ließ mich Zac Efron als Schauspieler in einem ganz neuen Licht sehen) die Frage, ob man ein Arschloch sein muss, um ein erfolgreicher Regisseur zu sein.

Mal davon abgesehen, dass diese kurze Doku wirklich sehenswert und sehr liebevoll gemacht ist (und natürlich meiner Meinung nach einige sehr gute Botschaften enthält; sonst würde ich sie gleich gar nicht für erwähnenswert halten), hat sie mich auch dazu angeregt mal wieder über mein eigenes Verhalten als „Chef“ nachzudenken.

Bin ich oder bin ich nicht?

Natürlich leite ich keine hundertköpfige Filmcrew und bin als Selbstständige kein „Chef“ im herkömmlichen Sinne (immerhin führe ich keine Firma oder habe feste Angestellte), dennoch bin ich als Fotografin meistens diejenige, die das Team zusammen bringt und schon allein deswegen irgendwie die Chefrolle übernimmt. Auch, weil es meistens mein Konzept ist, dass umgesetzt wird und ich somit sowohl bei Planung als auch Nachbearbeitung die Zügel in der Hand halte.

Meiner Meinung nach gehört zu einem erfolgreichen Menschen auch die Fähigkeit, die richtigen Leute um sich zu scharren. Talent zu erkennen und zu sehen, wem man guten Gewissens Arbeit anvertrauen kann. Es ist also kein Wunder, dass mich einige Menschen schon seit Jahren oder gar von Anfang an begleiten.

Nur macht es die Sache manchmal nicht einfacher. Gerade und immer dann, wenn man die Leute schon jahrelang kennt und etwas droht schief zu gehen; man also eine Entscheidung treffen muss. Eine, die jemandem am Set nicht gefallen wird…

Ich habe mich also schon das ein oder andere Mal gefragt, ob es nicht doch ein Fehler ist zu einigen Menschen, mit dem ich arbeite, ein eher freundschaftliches Verhältnis zu pflegen. Ob es nicht besser wäre Distanz zu wahren und es so einfacher zu machen, knallhart zu reagieren, wenn es sein muss.

Aber ich komme nicht umhin: ich halte nicht sonderlich viel davon.

Ich bin gerne der Mensch am Set, den die Leute mögen. Der alle zusammen bringt. Mit dem sie auch in Zukunft wieder arbeiten wollen (was hab ich mich schon über die ein oder andere freudige Mail gefreut, die auf eine zögerliche Anfrage meinerseits zurückkam) und dem sie vertrauen.

Nur: ich habe auch keine Angst davor das Arschloch zu sein. Nicht gerade oft, dennoch muss es manchmal sein.

Muss ich oder nicht?

Nämlich immer dann, wenn meine Vision bedroht ist. Ich habe mich schon geweigert, fremde Stile zu kopieren. Habe Farbgebung verteidigt oder meine Art zu Fotografieren im Allgemeinen. Bin bei meinen Überzeugungen und meiner Vorstellung geblieben und habe klare Ansagen gemacht, wenn meine Kompromissfähigkeit erschöpft war. Oder war auch schon mal knallhart, als die Arbeit einer Visagistin derart schlecht war, dass die Fotos schlicht unbrauchbar waren und das Shooting wiederholt werden musste.

Das hat durchaus mal Staub aufgewirbelt, für Diskussionen oder gar Ärger gesorgt. Trotzdem scheint was ich in diesem Moment selbst als „Arschloch“-Art empfunden habe, nicht ganz so schlimm gewesen zu sein. Denn diejenigen, die dieser Clinch betraf, haben danach so gut wie alle wieder mit mir gearbeitet. Und wenn das mal nicht der Fall war – nun gut. Man muss auch akzeptieren, dass man es nicht allen recht machen kann bzw. nicht jedes Team dafür geschaffen ist immer wieder zusammen zu arbeiten. Manchmal harmoniert man (kreativ oder menschlich) schlicht weg nicht besonders miteinander und sollte es dann auch dabei belassen. Und zwar ohne großartige Schuldzuweisungen, Diskussionen oder gar Drohungen. Dabei ist es dann auch die Aufgabe des „Chefs“ – egal wie vorwurfsvoll das Gegenüber wird – möglichst ruhig und professionell zu verbleiben; was bei einem so emotionalen Thema wie Kreativität nicht immer einfach ist. (Das und Verträge; klingt spießig, ist aber so. Die sind nämlich mindestens genauso wichtig, gerade und vor allem, wenn die Situation mal eben nicht ideal verläuft – aber das ist ein anderes Thema)

Ich bin also der festen Überzeugung, dass man sich einerseits treu sein darf und sollte; also nichts schlechtes daran ist, wenn man auf die Menschen um einen herum eingeht. Dass man einerseits Zuhörer, aber trotzdem Anweiser sein kann. Also ganz allgemein betrachtet kein Arschloch ist.

Man muss sich im richtigen Moment aber auch trauen, unpopuläre Entscheidungen zu treffen. Sei es, um die eigene Vision zu verteidigen oder ein Projekt zu retten. Und davor sollte man, ganz besonders als Frau und selbst wenn dies noch immer gerne in die Schublade „zickiges Verhalten“ gesteckt wird, nicht zurück schrecken.