{Teil 6} Quit You

(Entschuldigt die Verspätung und die Tatsache, dass der letzte Teil erst jetzt online kommt, aber die letzten Tage ging’s ein bisschen verrückt zu)

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Nun wird es auch schon Zeit für den letzten Teil meiner kleinen Wochenserie und somit auch für das Thema, vor dem ich stets am meisten zurück geschreckt bin. 

Ich habe lange darüber nachgedacht, wie ich das Geschehene möglichst witzig und ironisch, mit einer kleinen Prise Sarkasmus angereichert – genau so wie ich es eben mag – präsentieren könnte.

Aber wenn ich so darüber nachdenke, ist an dem Arbeitsverhältnis das meine Redakteurin zu dieser Zeit mit mir pflegte einfach rein gar nichts Lustiges.

Ich weiß gar nicht wie oft ich diesen Blogpost schon gelöscht, umgestellt, etwas hinzugefügt und dann doch wieder neu begonnen habe…Ich könnte wirklich unzählige Geschichten über grässlich dreistes und gemeines Verhalten erzählen, aber irgendwie gehört all dies selbst nach dieser Zeit nicht ins Internet.
Und wie so oft im Leben hat der Lauf der Dinge mittlerweile längst für Gerechtigkeit gesorgt.

Trotzdem fühlt es sich einfach richtig an, auch zum Ende meiner Arbeit für Bergwelten ein paar Worte zu verlieren. Eben nicht, um irgendwen anzuschwärzen, sondern ganz einfach deshalb, weil ich, als ich endlich die Reisleine gezogen hatte, mir des Öfteren anhören musste, dass das eigentlich ganz schön dumm sei, mir eine solche Chance ganz ohne neues Engagement entgehen zu lassen.

Das mag irgendwo stimmen. Ich war damals erst ein paar Monate Selbstständig und diese Arbeit gab meinen Bemühungen Fuß zu fassen einen festen Rahmen. Ich war mir um die Tatsache was ich da aufgab wirklich mehr als bewusst. Aber ich, nein: wir, hatten den Punkt erreicht, als einfach kein Weg mehr daran vorbei führte.

Spätestens als ich eine sehr ausgeprägte Abneigung gegenüber Mails die Wörter mit vielen Großbuchstaben und mehrere Ausrufezeichen am Stück (hin und wieder in Kombination mit dem fragenden Pendant) beinhalteten, entwickelte, wurde mir klar, dass an unserem Verhältnis zwischen Fotograf und Redakteur etwas nicht mehr so lief, wie es laufen sollte.

Und meine Arbeit wurde mit der Zeit ein ständiger Kampf. Ein Kampf darum, dass niemand im Nachhinein an meinen Fotos herum pfuscht, ein Kampf um professionelle Zusammenarbeit (bei Schwierigkeiten wurden nämlich gerne mal die „Du bist zu jung/zu unerfahren/zu schlecht und wenn ich mit dir fertig bin, wird dir niemals mehr jemand einen Job geben“-Nummer abgezogen) und letzten Endes sogar ein Kampf ums Geld und rechtliche Fragen.

Mein letztes mir zustehendes Honorar aus dem Februar habe ich schlussendlich erst im September (und selbstverständlich nach unendlichem Papierkrieg) erhalten…

Ich hielt mich recht gut und bemühte mich um Contenance. Aber irgendwann kam der Punkt, als ich all diese unfreundlichen Mails und Anrufe nicht mehr ertragen habe. Mein sowieso nie reichlich vorhandenes Selbstbewusstsein war mittlerweile auf das einer Maus geschrumpft und ich begann langsam zu glauben, was ich da in endlosen Tiraden zu hören bekam: dass wirklich alle in der Branche so ticken, ich schlechte Arbeit abliefere und niemals wieder einen Job als Fotografin ans Land ziehen werde.

Ich kannte mich selbst nicht mehr. Und habe mich dafür gehasst. Für all die verheulten Abendessen, all die Telefonate… mir tun meine Familie und Freunde bis heute deswegen leid. Das war nicht wirklich ich, das war ich im Verzweiflungs-Modus.
Ich sah mich einfach einem Verhalten konfrontiert, dass sich meinem Begreifen entzog.

Und dann nahm ich meinen letzten Rest an Stolz und zog einen Schlussstrich.
Die wahrscheinlich beste Entscheidung meines Lebens.

Und warum ich nun diese etwas rührselige Geschichte erzähle? Tja, nicht, weil sich jetzt jemand Schwarz ärgern soll angesichts der so düsterer Zukunftsprognosen die mir gemacht wurden und sie sich nicht erfüllt haben (okay, ich gebe zu: ganz frei von ein wenig Schadenfreude bin ich dahingehen natürlich nicht), weil das vielleicht gerade tatsächlich irgendwer da draußen liest, der gerade in einer ähnlich verzwickten Situation steckt.
Ich kann nur für mich sprechen: ich war am Tiefpunkt angelangt und beschloss mir mein bisschen verbliebenen Stolz und Selbstbewusstsein zu erhalten und damit aufzuhören (aber richtig, keine halben Sachen, solche Dinge müssen nämlich geklärt werden, sonst holen sie einen immer wieder ein). Ich beendete das Ganze und stand vor dem Nichts.

Eine Woche später bekam ich die Anfrage für mein erstes bezahltes Lookbook. Und einen Monat später saß ich das erste Mal im Büro einer Modelagentur.

Und nun gibt’s zum Schluss einfach noch ein paar Fotos, die halt nirgends wirklich dazu gepasst haben.

Die zwei waren soooo brav und waren unglaublich enttäuscht, als es nur fürs Foto ins Auto ging (nein… kein Ausflug).
Wir hatten unseren Spaß mit wirklich bescheuerten Brillen…

Aprés-Ski ganz offensichtlich (Hintergrund!) im Herbst und nicht im Winter fotografiert (und das Foto auf dem man den umgekippten „Wein“ inklusive Küchenrolle sieht, zeige ich jetzt nicht ^.^)
Das wohl netteste Ehepaar, dass ich in all der Zeit fotografieren durfte (der Herr erkundigt sich noch heute immer bei meiner Mama nach mir)…
… und der Alkohol (ein Foto, dass es aus ganz offensichtlichen Gründen nicht in die Zeitschrift geschafft hat. Aber es war halt so lustig irgendwie.).
Zucker die Kleine, nicht wahr?
Ein klein wenig gestellt, aber der Meister bei der Arbeit… ;)

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  1. Ti

    19. Dezember 2013 um 20:40 Uhr

    Das Kind sieht so niedlich aus :)

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  2. stepko

    1. Dezember 2013 um 20:44 Uhr

    Diese Wochen-Serie von dir ist sooo toll geworden!!! Ich hatte wirklich richtig viel Spaß deine Berichte zu lesen und die klasse Fotos anzuschauen! Besonders gefallen haben mir der Geigenbauer und der Schäfer. Sie sehen einfach so nett und sympathisch aus! Ich mag solche Bilder direkt aus dem Leben so gern und deine Fotos haben so eine Echtheit gezeigt. Hach…ich bin einfach begeistert :)
    Ich kann mir vorstellen, dass es sehr interessant ist so unterschiedliche Menschen kennen zu lernen und von ihren Leben zu hören. So etwas würde mir auch Spaß machen. Allerdings hört sich das Ende natürlich nicht so schön an und ziemlich nervenaufreibend. Da kannst du wirklich stolz auf dich sein, dass du es geschafft hast einen Schlussstrich zu ziehen, als du dich nicht mehr wohl gefühlt hast!!! Ich brauche für so was immer viel zu lange und ertrage immer viel zu viel…seufz…aber irgendwann lerne ich das hoffentlich noch.
    Einen schönen 1. Advent und Weihnachtszeit dir noch!!!

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  3. Shirin

    25. November 2013 um 18:44 Uhr

    desch sind aber schöne moment-Fotos!

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  4. Jana

    25. November 2013 um 15:33 Uhr

    Ich finde die Harry Potter Filme aber schon richtig gut umgesetzt. Hab zwar kein Vergleich zu den Büchern, aber ich denke das kann niemand leugnen!

    Oh okay, dann bin ich schon gespannt! Meine Azubikollegin hat heute auch voll von dem Film geschwärmt :D
    Oha, wenn sogar der Film besser als das Buch ist, ist der Film schon bombe! Was ist denn da anders als im Buch?
    Ja, ich schlepp jetzt mein Freund mit rein :P

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  5. Sabi

    25. November 2013 um 14:50 Uhr

    Wenn es irgendwann nicht mehr geht, dann ist es wohl das einzig Gute, auf sein Herz zu hören. Klar, in der Berufswelt kann man damit vielleicht auf die Nase fliegen, aber bevor man sich damit nur kaputt macht… und bei dir hat es ja auch so funktioniert. (:
    Die ganzen Serien haben mir aber gut gefallen. Und das Bild von dem kleinen Mädel ist ja echt goldig ^^

    Ja, bei manchen meiner Fotos ist das auch so. Erst denk ich mir: "oh, das ist voll schön" und ein paar Tage später… "najaaa.. eigentlich ja doch nicht soo toll.." Aber es geht irgendwie echt vielen so und ich versuche immer es ein bisschen mehr abzustellen, auch wenn es nicht immer gelingt.

    Hehe, genau. Du bringst es auf den Punkt wie das mit den analogen Filmen ist! :D

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  6. Patrizia

    25. November 2013 um 10:06 Uhr

    Echt mies, wie da mit einem umgegangen wird. Mit so jungen Menschen kann man es ja machen. Die haben ja sowieso keine Ahnung von irgendetwas, oder was denken die sich?
    Ein gewisses Maß an Höflichkeit und Respekt gehört sich trotzdem.
    Nur gut, dass du das beendet hast. Die Verzweiflung kann ich allerdings auch gut verstehen. Ich bin mir sicher, dass es mir da auch nicht anders gegangen wäre. Dafür hätte ich auch nicht das nötige Selbstbewusstsein.

    Die Kleine ist so unglaublich süß^^

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  7. Paleica

    25. November 2013 um 10:04 Uhr

    ich wusste damals leider nichts davon, sonst hätte ich es dir bestimmt nicht vorenthalten :)
    ich kann dich aber gut verstehen, das hätte ich auch nicht. vor allem, wenn es um finanzielle abhängigkeit geht. da braucht man halt dann schon das OK von denjenigen, die dann im nachhinein "in den sauren apfel beißen" müssen, und einen weiter unterstützen. Gut, dass deine Eltern das erkannt haben! und ja, jetzt weißt du, wie richtig es war. leider erfährt man das oft erst später – wobei der zeitraum in deinem fall ja sogar ganz akzeptabel ist ;)

    kann ich mir gut vorstellen. ich würde zu gern adventskalender basteln, aber dazu fehlen mir nicht nur zeit und muße, sondern auch die zu beschenkenden ;) ich bin die einzige in meinem umfeld, die da so drauf steht…
    aber zum glück hab ich mal für meine mama ein geschenk organisiert, jetzt hoffe ich, dass ich noch eine kleinigkeit dazu finde. für meinen papa check ich die woche noch mit meiner mama ab, wie wir das organisieren. und für meinen freund hab ich grad ein mail geschrieben, ob das, was ich gern für ihn hätte, zu bekommen ist.

    ja das ist durchaus auch mal in ordnung, wenn die sachen rund laufen :)

    puh na das hört sich ja schon sehr anstrengend an, mit stau und der abwanderung der einheimischen in andere schigebiete.

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  8. romy

    24. November 2013 um 23:09 Uhr

    Hehe, ich hab wohl ziemlich gespammt auf Instagram :D War auch voll ne Glückssache bis das online war, mein datenvolumen war nämlich leer und da war soo schlechter Empafng. Einer aus meiner klasse hat ein Lankabel gefunden das sooo lang war, dass es bis ans andre Ende des Gebäudes ging und wir dann alle Wlan hatten :D Solche Süchtis :D

    Voll gut, wenn eure Kassetten noch gehen. Ich finde das so doof, dass vieles so vergänglich ist. Die CD ist ja auch so langsam old school.

    Ein schwarzer Kranz wär schon geil. Ich bin also gespannt ;)
    Bei uns ists meist gold-braun, weil unser Wohnzimmer in den Tönen gehalten ist und der Weinachtsbaum eben :)

    Ich meinte bei anderen. Aber ja, die übertreiben es dann schon des öfteren, Mir ist es aber auch mal passiert, dass eine zu mir meinte, dass sie sich nie trauen würde sowas zu tragen wie ich. Da dachte ich dann nur, so: hä? Und sie eben so, wegen meinen Ausschnitten. Das nenne ich aber nicht aufreizend oder so, sondern figurbetont. Aber naja, die die das gesagt hat, hat nicht wirklich Stilbeuwsstsein udn ist eher so Nonnenmäßig :P

    Liebe Grüße

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