Von Teufeln auf Stelzen, Matratzen und einem Vogelhaus

„Vor Weihnachten geht der Teufel um.“ – sagt meine Mama immer so schön. Ich glaube das korrekte, beziehungsweise allgemein akzeptiere Sprichwort lautet viel mehr: „Vor Festen geht der Teufel auf Stelzen.“, aber der Sinn bleibt der Gleiche: vor Weihnachten drehen sie alle durch. Bei der Arbeit, beim Einkaufen sowieso und eben ganz im Allgemeinen.

Und irgendwie scheint – sicherlich auch, weil wir gestresster sind als sonst – vor Weihnachten immer besonders viel schief zu gehen!

Dabei habe ich in diesem Jahr einiges richtig gemacht. Ich wusste schon seit einiger Zeit, dass ich kurz vor Weihnachten noch mal unterwegs und nicht zu Hause sein würde. Als dann noch recht kurzfristig ein Job Angebot kam, legte ich mir die Deadline bewusst noch vor meine Abreise. Der Kunde war glücklich darüber – immerhin bekam er so auch gleich noch den ihm zu Gute kommenden Puffer vor Weihnachten zum Druck der im Januar benötigten Werbemittel – mir ersparte dieses Timing unnötigen Stress kurz vor meinen Weihnachtsferien. Mehr Annehmen ging nicht mehr, aber alles Wichtige musste schon frühzeitig erledigt sein – perfekt.

Und obwohl ich es somit schaffte, nicht in beruflichen Stress zu geraten, gelang es mir dennoch privat in diese: „Das muss noch im alten Jahr erledigt werden!“-Falle zu tappen.

Monatelang war nun schon klar klar, dass es nicht wie bisher weiter gehen konnte. Rund um meinen Schreibtisch – und somit nicht weit von meinem Schlafbereich entfernt – stapelten sich immer öfter und vor allem mehr Pakete für Produktionen. Meine Mama hatte mir zwischenzeitlich bereits einen Platz in ihrem Büro angeboten; aber so sehr ich mich nach einer klareren Trennung von Arbeit und Schlaf sehnte, wollte ich dennoch auch nicht zu weit von meinem Arbeitsplatz getrennt sein. Sei es für die plötzlich eintretende, kreative Erleuchtung gegen 23 Uhr oder schlicht weil die Deadline frühes (und dann eben bitte unkompliziertes) Beginnen oder Lange sitzen bleiben erfordert.
Wäre das nun eine Sache gewesen, die ich allein oder zumindest meine Mama und ich gemeinsam hätten erledigen können, hätte ich nicht zwei Mal darüber nachgedacht. Dummerweise erforderte die ganze Aktion allerdings den Transport einer Couch; und das eben nicht nur aus dem ersten Stock, sondern, auf Grund einer unmöglich schmalen Platzspartreppe, auch noch über das Fenster – und somit wurde mehr als nur ein starken Mann gebraucht.

RAUF UND RUNTER UND DRUCHS FENSTER

Hinzu kam mein gerade erst geschürter Unwille das neue Bett gemeinsam mit meinem Papa aufzubauen… Kurz zuvor hatten wir nämlich ein Wochenende in der Wohnung meiner Schwester verbracht. Und während wir uns noch scherzend („Lass die Männer mal machen, dann haben wir unsere Ruhe.“) schnell für etwas Schwesterzeit auf die Couch verzogen haben und die Männern mit dem neuen Badschrank alleine ließen, stellten wir drei Stunden später fest, dass aus „schnell“, mittlerweile „es ist schon dunkel draußen“ geworden war und wir Hunger hatten.

Professionelle Handwerker und Baumarktmöbel führen vor allem zu einem: nicht enden wollende Schimpfwort-Triaden und schrecklich viel Kompliziertheit. Und damit auch zu wenig Entspannung auf Frauenseite (egal wie viele Türen man schloss, man hörte sie immer noch diskutieren).

Merke: gib einem Handwerker ein Möbelstück in Einzelteilen und du hast ziemlich lange deine Ruhe.

Alles in allem graute es mir also ein wenig vor dieser Erfahrung (und die im Internet abgegebenen Bewertungen bezüglich des Zusammenbaus, halfen da nicht gerade). Papa-Tochter-Zeit und tolles Verhältnis hin oder her; es gibt einfach Dinge, die sind schwer zu ertragen. Selbst – oder gerade – wenn es um die eigenen Anliegen geht.

Und alle mit einem Handwerker in der Familie oder zu Hause, wissen ganz genau wovon ich rede…

Was folgte war wider erwarten alles andere als problematisch. Die Couch war innerhalb von Minuten und in einem Stück im Erdgeschoss und der Aufbau des Bettes lief bis auf ein paar falsch gekennzeichnete (aber immerhin waren alle vorhanden und im Auschlussverfahren das Problem schnell gelöst) Schrauben problemlos. Und ich bekam beim Aufbau noch nicht mal Hunger… Die Probleme begannen erst, als ich schon keine mehr kommen sah: mit dem Lattenrost. Denn der passte beim besten Willen weder durch die schmale Treppenöffnung, noch war er klein oder biegbar genug, um „ums Eck“ nach oben befördert werden zu können. Zum Glück war auch hier wieder das Fenster die Lösung (und das war wirklich großes Glück; denn daran hatte im Vorfeld wirklich niemand gedacht und es war auch alles andere als viel Spielraum vorhanden). Eine weitere helfende Hand, eine Leiter und ein Spanngurt taten ihr übriges.

Und als es nach diesem kleinen, kurzen Schock endlich daran ging die neue Matratze nach oben schaffen und ich mich schon am Ziel meiner zu lange währenden Überlegungen sah, gingen mir zwei wesentliche Dinge auf:

  1. Ich habe keine Ahnung was uns dabei geritten hat (der Teufel!) und angesichts der Tatsache, dass ich mich so eben lang und breit über die oftmals so anstrengende Kompliziertheit meines Handwerker-Papas und der ebenso steilen, wie unmöglich schmalen Treppe ausgelassen habe, erscheint es mir umso unverständlicher, wie ausgerechnet uns das passieren konnte, aber meine Mama und ich haben es nun mal getan: die (!) gerollt angelieferte Matratze schon einige Tage im Voraus zum Auslüften (…) entrollt! Und uns für diese grandiose Idee auch noch selbst gelobt…
  1. Und zweitens: die Matratze war zu klein. Das so etwas passieren konnte – nachdem wirklich überall die richtigen, genau passenden Maße angegeben waren – erschien mir derart absurd, dass es mir zunächst gar nicht richtig auffiel. Erst mein Papa sprach das Offensichtliche aus.

An diesem Punkt waren wir nur noch froh, dass zumindest der Kundenservice hielt was er versprach: die Matratze wurde ohne Murren sofort wieder abgeholt und eine neue geliefert. Gut, ersteres benötigte drei Anläufe (erst ein fehlender Barcode, der für die Rücknahme gesendet hätte werden sollen, dann mangelnder Platz im Auto… immerhin war der Mann, der weder Deutsch noch Englisch konnte – was die Sache nicht einfacher machte, so nett und kam am Ende des zweiten Tages wieder) und zweiteres dauerte ein wenig; aber irgendwann wurde alles gut.
Natürlich erst, nachdem die neue Matratze wieder runter, die alte nun aber rauf (wobei die schon derart ausgeleiert war, dass wir die zwar relativ leicht, aber nur unter großen Lachanfällen nach oben schafften) und dann zur Krönung die neue, richtige Matratze gleich gar nicht mehr gerollt geliefert wurde. Und weil die dann ja 20cm breiter war als die falsch gelieferte, passte die nun wiederum auch nicht mehr durch die Treppenöffnung!

(Ein Spanngurt und das Fenster taten auch hier wieder ihren Dienst. Nachdem zwischenzeitlich auch noch ein Sessel diesen Weg gegangen war, hatten wir ja nun Übung.)

DIE VOGELHAUSSIEDLUNG

Und weil die Dinge vor Weihnachten allem Anschein nach verhexter sind, als zu anderen Zeiten, trug sich noch eine weitere Geschichte zu, die so eigentlich nur in sehr schlechten Film-Skripten stattfindet. Die Sache mit dem Vogelhaus.

Allein die Tatsache, dass ich diese Geschichte jetzt, am 24ten erzähle und keine Sorge haben muss, dass meine Mama diesen Text noch vor der Bescherung liest, zeigt schon, dass da etwas gehörig schief gelaufen ist.

Meine Mama füttert nun seit einem guten Jahr mit großer Begeisterung die heimischen Vögel. Und weil sich mittlerweile derart viele Vögel im Garten tummeln, besitzt sie auch schon zwei hoch frequentierte Vogelhäuser. Und nun wollten meine Schwester und ich ihr als Erweiterung – quasi zum Ausbau der Siedlung – ein weiteres, besonders nettes Exemplar an Vogelhaus zu Weihnachten schenken.

Nur hatten wir mit einem nicht gerechnet: dem Iraner. Der holte das Paket in der Annahme darin befände sich der Unterschrank, den meine Mama schicken wollte, von der Post ab. Er packte es aus, fand stattdessen ein Vogelhaus darin und anstatt sich an das Gespräch mit seiner Freundin neulich zu erinnern (bei dem er noch angeboten hatte, er könnte auch selbst ein Vogelhaus für unsere Mama bauen…), machte er (!) Fotos vom Haus und fragte meine Mama per WhatsApp was bzw. für wen das sei…

Zu allem Überfluss musste ich an diesem Punkt (als er das Paket zur Post zurück tragen wollte, da er glaubte ein falsches mitgenommen zu haben) einschreiten und die Katze aus dem Sack lassen. Dabei hatte diese Szene etwas selten Surreales: ich verstand kurzzeitig überhaupt nicht, wie ich Fotos von unserem Weihnachtsgeschenk auf einmal auf dem Handy meiner Mama sehen konnte. Und vor allem nicht: warum?

Und so erfuhr meine Mama also bereits frühzeitig von ihrem Weihnachtsgeschenk.

Diese Geschichte wurde eigentlich nur noch davon getoppt, dass der alte Badschrank vom Iraner und meiner Schwester letztlich im Papiermüll entsorgt wurde. Nicht etwa mutwillig, sondern aus der festen Überzeugung heraus, dass Holz da ja ganz gut rein passt. Immerhin war Papier ja auch mal Holz…
Man möchte kaum glauben, dass meine Schwester mittlerweile einen Uni-Abschluss hat…


Noch vor kurzem dachte ich, dass dieses Jahr mein alljährlicher Weihnachtspost mehr oder weniger entfallen würde. Mein Papa hatte sich in diesem Jahr ruhig verhalten und sich – irgendwie dann doch zum Missfallen meiner Mama – bei seltsamen Adventsüberraschungen zurück gehalten, die Weihnachtsbäume kommen seit einigen Jahren in Form eines Weihnachtsgeschenks vom Lieferanten meiner Eltern… Und auch ansonsten war die Adventszeit eher arbeitsintensiv und ruhig verlaufen. Tja, aber dann kam das Leben (oder eben der Teufel auf Stelzen) – das manchmal so herrlich verrückt und bekloppt sein kann – dazwischen. Und so gab es nun zumindest einige kleine Anekdoten zu erzählen.

In diesem Sinne: auf dass wir uns nun von der stressigen vor Weihnachtszeit mit all ihren Missgeschicken erholen können und eine schöne, lustige und geruhsame Zeit mit unseren Familien verbringen.

Frohe Weihnachten!


PS: Der Geschenke Weihnachtsbaum ist dieses Jahr das erste Mal wesentlich größer als in den voran gegangenen Jahren und muss gekürzt werden. Ob das wohl gut geht? Immerhin wäre der erste Impuls meiner Mama schon mal gewesen ihn von oben her zu kürzen…

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  1. Nicole

    23. Januar 2020 um 17:36 Uhr

    Mal wieder zwei herrliche Anekdoten aus deinem Alltag, auch wenn sie für uns wls wesentlich unterhaltsamer zu lesen sind, als sie für dich dann waren. Ist halt immer ärgerlich, wenn man mit was anfängt und dann etwas nicht klappt wie geplant bzw. doch noch etwas schiefgeht.

    Beim Vogelhaus: Ich hoffe deine Mum hat sich trotzdem über das Geschenk gefreut, auch wenn die große Überraschung dann ausblieb?

    Dankeschön für das liebe Kommentar Christine,
    oh ja das mit dem Kopfzerbrechen kann ich nur bestätigen, das geht aber gerade auch vielen meiner Kommilitonen so. Wir kommen ständig auf das Thema Jobsuche – Bewerbung – Chancen auf den Arbeitsmarkt zu sprechen. Das beschäftigt uns schon alle. Ich bin auf jeden Fall gespannt welches Fazit ich am Ende von 2020 ziehen kann und was passiert ist.

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  2. Ich habe deinen Blog gerade entdeckt und bin super froh darüber. Dein Schreibstil gefällt mir sehr gut! Ich hoffe du bist gut in das neue Jahr gestartet :)

    Liebste Grüße aus Hamburg,
    Jenny von http://www.changeable-style.com

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  3. Liebe Christine,
    wie heißt es so schön: „Gut geplant….und dann kam das Leben dazwischen!“ ;-)
    Ich wünsche Dir von ganzem Herzen ein frohes, gesundes und erfolgreiches neues Jahr 2020!
    Nimm Di Zeit für die Dinge, die Dir wichtig sind…..
    liebe Grüße
    moni

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  4. Liebe Christine, da hast du ja eine wilde Vorweihnachtszeit gehabt. Aber dies sind schöne Geschichten, an die man sich ein Leben lang erinnert.
    Ich hoffe der Januar bringt dir mehr Ruhe und du kannst deine neuen Möbel genießen.
    Ein schönes Wochenende wünsche ich dir meine Liebe.
    Herzliche Grüße
    Silvia

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  5. melina

    10. Januar 2020 um 11:12 Uhr

    Oh Mann diese Geschichte mit dem Vogelhaus hat es ja in sich :) Hoffe auf jeden Fall du hattes ein schönes Weihnachtsfest und wünsche dir alles gute im neuen Jahr ❤️ xx

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  6. Mit Baumarktmöbeln habe ich leider auch so meine Erfahrungen gemacht. Vor allen Dingen, die Anleitungen sind oft richtig schlecht und ich habe sie erst verstanden, als ich das Möbelstück zusammen gebaut hatte…
    Ich wünsche Dir ein schönes Wochenende.

    Viele liebe Grüße
    Wolfgang

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