Größer, schneller, besser: der etwas andere Adventskalender

Mein Papa hat da diese Sache am Laufen. Die, mit diesem Konkurrenzkampf. Diesem Wettstreit mit dem Iraner.

Der Iraner? Das ist der Freund meiner Schwester. Und nein, ich bin nicht ausländerfeindlich oder habe ein Problem mit ihm; das ist nur die Art von Spitznamen, mit der man als Teil dieser Familie halt leben muss – und irgendwie müssen wir den ja hier auch nennen.

Aber ich schweife ab.

Diese Sache begann vor einigen Monaten; als mein Papa Geburtstag hatte und der Iraner ihm aus einem Ölkanister ein kleines Motorrad, das Dank des Motors eines billigen Spielzeugautos sogar fahren konnte,  gebastelt hatte. Was er im Iran unzählige Male gebaut hatte, sorgte hier für eine Menge Spaß und Begeisterung. Mein Papa war happy, wir hatten was zu lachen und der Iraner war stolz auf sich. In einer normalen Familie wären jetzt alle glücklich und die Sache gegessen gewesen. Nicht allerdings bei uns…

Trotz der Freude, hatte der Ego meines Papas – dem Handwerker und selbsterklärten Motorradschrauber der Familie – dabei natürlich einen Knacks bekommen. Einen nicht ganz unerheblichen, wie mir scheint.
Der Iraner hatte sich erlaubt etwas zu basteln, was gut ankam. Das konnte er natürlich nicht auf sich sitzen lassen…

Es war einmal ein dritter Dezember…

Während andere das Thema bereits abgeschlossen hatten, brodelte es in meinem Papa offensichtlich noch. Größer, schneller, besser. Da geht doch noch was! Und so kam es, dass er recht spät (aber besser als nie – wobei… wenn man meine Mama fragt wäre nie vielleicht doch besser gewesen) mit einem Advents-„Kalender“ für meine Mama um die Ecke kam. Oder besser: ins Wohnzimmer. Oder noch besser: erst in die Garage, dann ins Gäste-WC, dann ins Wohnzimmer. Und über die Umzüge und die Vorbereitungen hinweg (für die nicht nur sein bester Freund, sondern auch Photoshop&ich eingespannt wurden), begann die Adventszeit schon und so wurde es der 3.12 bevor das Etwas endlich seinen von meinem Papa angedachten Platz fand.

Das Etwas, worüber mein Papa da tagelang gebrütet, es Lila (weil Lieblingsfarbe meiner Mama) angesprüht und mit selbst (aka von mir…) erstellten Aufklebern beklebt hatte, ist eine Seilbahn. Eine jener Seilbahnen, die man früher in den Schaufenstern der Spielwarenläden fasziniert dabei beobachtet hatte, wie sie auf und ab fuhren.
Eine Bahn, die meine Mama in seiner Vorstellung jeden Tag – vom Berg ins Tal – fahren lassen sollte, um sich dort eine Kleinigkeit aus der Gondel zu holen.

Was einem damals als Kind allerdings nicht bewusst war – und auch erst wird, wenn man versucht sie in einem Fensterrahmen aufzubauen – ist, wie viel Platz die Dinger, trotz ihrer eher bescheidenen Größe, doch benötigen. Leider stellt man auch erst dann fest, dass einem doch irgendwie auch die Möglichkeiten zum Spannen der Konstruktion fehlen…

… und eine Ehekrise…

Während die Talstation mit einer Klemme und Sperrholzplatte an der Fensterbank befestigt wurde, gestaltete sich das mit der Plattform für die Bergstation schon als wesentlich komplizierter. Letztlich hält nun eine Stange, die wie die ehemalige, bereits zur Entsorgung freigegebene Kleiderstange – nur leider wesentlich dreckiger – meiner Mama aussieht, dafür her. Diese von meinem Papa erdachte Vorrichtung ist dementsprechend im besten Fall als abenteuerlich zu bezeichnen. Wackelig oder gar gemein gefährlich – beachtet man die nicht unerhebliche Schräglage, die die Bergstation bereits ab der Jungfernfahrt angenommen hat –  trifft es wohl eher.

Advents-und-Weihnachts-von-Ehemann-Bahn, liest sich nicht nur sperrig (wobei ich schwöre, dass das ernsthaft der von meinem Papa erdachte Titel ist – der sich übrigens auch auf der Gondel und einem Aufkleber selbst widerfindet), all das hat auch recht wenig mit dem zu tun, worüber sich die Frau eines Handwerkers nach 26 Ehejahren im Allgemeinen so freut.

Wobei. Vielleicht hätte sie das sogar. Hätte sich zum Dreck der Kleiderstange, der Sperrholzplatten, der Klemme, des Flies zum Unterlegen (…), nicht auch noch das Ignorieren sämtlicher Pflanzen (der wenigen die dort tatsächlich seit Jahren überleben und mindestens genauso lange an genau diesem Platz stehen) gesellt. Die mussten nicht nur beim Aufbau so einige Blätter lassen, sondern werden auch bei jeder Fahrt der Gondeln weiter malträtiert.
Natürlich hatte mein Papa über die Euphorie beim Aufbau hinweg, das anschließende Saubermachen ganz vergessen…

Und traf meine Mama – eines schönen Morgens, an einem ersten Advent – der Schlag.

… wegen einer Advents-Bahn.

Keine Sorge. Mein Papa lebt noch. Die Bahn steht auch noch; sie ist sogar das ein oder andere Mal gefahren. Und auch über Scheidung wird nicht mehr ernsthaft nachgedacht. Zugegeben: die Angst vor der nächsten Bastel-Aktion (seitens des Iraners) ist groß…

Sollte mein Papa in der (doch recht kurzen) verbleibenden Adventszeit dennoch eines plötzlichen Todes sterben, trifft meine Mama keine Schuld. Es war dann nur eine der Gondeln. Die zufällig genau über Papas Stammplatz auf der Couch hängen. Und das nur noch sehr, sehr wackelig…

In diesem Sinne: frohe Weihnachten euch allen!


PS: Ich hoffe das GIF mit der fahrenden Bahn lädt? Das Einzufügen hat mich gestern nämlich den letzten Nerv gekostet…

PPS: Da das GIF nur einmal lädt, seht ihr es unter Umständen nicht, wenn ihr nicht gleich die Bilder anschaut… Dann hilft nur die Seite neu zu laden. ;)

Kommentar verfassen

Beim Absenden deines Kommentars erklärst du dich damit einverstanden, dass deine Angaben verarbeitet und gespeichert werden. Bitte lese dir dazu die Datenschutzerklärung durch.

  1. Genial! :D
    Ich finde den außergewöhnlichen Adventskalender total schön :)

    Leider lädt das Gif (ist doch das 1. Bild oder?) bei mir nicht. Habe die Seite auch schon neugeladen, aber will immer noch nicht funktionieren :D

    Liebe Grüße ♥

    Antworten
  2. Liz

    24. Januar 2018 um 23:22 Uhr

    Exakt drei Monate sind jetzt also vergangen, bevor ich dir endlich auf deinen Kommentar antworte! Tut mir sehr leid, das Leben hat mich schlichtweg aufgehalten und als ich mich vor einer Woche wieder einmal meinen Blog in einem Tab geöffnet habe, konnte ich es kaum glauben, dass seit dem letzten Mal drei Monate vergangen sind. Hoffe du hattest einen schönen Start ins neue Jahr!

    Also die Geschichten von und mit deiner Familie sind unfassbar großartig!! Mein Papa ist da ganz ähnlich, hab ich glaub ich eh schon in einem anderen Kommentar einmal festgestellt. Muss mir deine Posts zum Beispiel nehmen und meinem Papa auch einmal einen Artikel widmen – die kleinen und großen Abenteuer des Alltags sind halt doch die Besten. ;)

    Führerscheinprüfung lief leider nicht so gut, ich arbeite immer noch beständig daran… Nächste Chance diesen Freitag!

    Ja nein, bereuen würde ich diese Entscheidung auch nie, nicht zur Uni zu gehen bzw. erst „verspätet“, aber ja, es ist schon eigenartig – gar nicht so für einen selbst, aber in Gesprächen mit Familien und Freunden kommt das dann wieder so durch…
    Bin ja mittlerweile der Meinung, dass Uni nicht einmal mehr zwingend der zweite Schritt nach Matura/Abi sein muss… Aber in den Köpfen der Generation vor uns hat sich das einfach so festgesetzt.

    Ich kann die Anzahl meiner guten Lehrer in der Schulzeit auch an einer Hand abzählen, aber die waren dafür echt fantastisch und haben mich in vielerlei Hinsicht inspiriert, motiviert und auch immer wieder zum Staunen gebracht. Die haben sich zumindestens gleich gut eingeprägt wie die, die halt einfach wirklich nur schlecht waren.

    Alles Liebe dir!
    http://lizinview.blogspot.co.at/

    Antworten
  3. Hahaha ich liebe die Geschichten von und über deinen Vater. Aber im Großen und Ganzen finde ich die Idee an sich richtig gut, war halt leider etwas wackelig :D
    Liebe Grüße und einen guten Start in 2018
    Chrissie

    Antworten