Gedacht, gelesen, erlebt – Skurrilitäten aus dem Land der aufgehenden Sonne {Teil II}

japan

Und weiter geht’s. Hier kommt wie angekündigt ein zweiter Teil mit seltsamen Fakten, Vorurteilen und Tatsachen aus Japan (und falls ihr den ersten Teil verpasst habt, findet ihr ihn hier).

Oft genug gesehen: Die Japaner ziehen beim Betreten einer Wohnung ihre Schuhe aus. Für das Klo gibt es extra Schlappen.
Zustimmung: Zumindest bei unseren klassisch japanischen Unterkünften entsprach das absolut der Norm! Am Eingang der Gemeinschaftsklos und -bäder lagen auch extra Schlappen bereit.
Allerdings nerven diese Schlappen in Einheitsgrößen recht schnell und so tat ich es den anderen Westlern gleich und habe mich strumpfsockig fortbewegt. Nur Barfuß wäre mir etwas zu unangenehm gewesen (und die Kloschlappen habe ich auch gerne wahrgenommen).
Desweiteren: Auch in manchen traditionellen Restaurants und in allen Tempeln zieht man seine Schuhe aus. Irgendwann, nach dem x-ten Tempel, war ich ziemlich froh um meine Sneaker mit Reisverschluss.
Fazit: Macht alles durchaus Sinn – so lange sich alle dran halten. Allerdings kapieren es halt auch nicht immer alle Touristen und das macht die Sache gleich wieder weniger hygienisch. Happy Fußpilz lässt grüßen!
Tipp: Reismatten betritt man übrigens niemals mit irgendwas an den Füßen. Da gehören auch die bereitgestellten Schläppchen vor die Tür!

Japan Tokyo Tokio Shibuja crossing people

Gelesen und in der Theorie gewusst: In Japan leben unheimlich viele Menschen.
Erlebt: Dafür gibt es keine Worte. Das muss man schlicht und ergreifend einfach selbst erlebt haben… Man kann sich keinen Begriff machen wie groß beispielsweise Tokyo ist und welchen Menschenmassen man in den Straßen begegnet.
Das eigentliche Tokyo ist mittlerweile mit zig Städten verschmolzen (die mal zum Teil 30km entfernt waren) und das ergibt in seiner Masse eine unvorstellbare Größe.
Und allein die Größe mancher Schulklassen, die wir bei Ausflügen beobachten konnten ist… krass. Was für ein Gewusel!
Überrascht: Trotzdem läuft das normale Leben recht geordnet und ruhig ab. Die Japaner sind äußerst bedacht darauf nicht zu drängeln und stellen sich selbst für die U-Bahn sehr gesittet an. Ich wurde noch nie so selten angerempelt. Und selbst wenn ich fotografiert habe, wurde in vielen Fällen ein freundlicher Bogen um mich gemacht. So viel Aufmerksamkeit erwartet man bei so viel Hektik und Leben nicht unbedingt.
Verrückt: Ja, das sieht man nicht nur in N24 Dokumentationen. Zur Rush-Hour gibt es tatsächlich extra Angestellte, die weitere Menschen in die U-Bahn Wagen pressen. Da steht man als Europäer nur daneben und denkt sich: Wie sollen all die Füße und Arme da noch reingehen? Klappt aber trotzdem immer irgendwie. Nur als Tourist warten man in dem Fall dann gerne ein paar Minuten auf die nächste Bahn.

Angenommen: So ein fortschrittliches Land. Da wird wohl Rauchverbot herrschen.
Die wirklich große Überraschung: Genau das Gegenteil ist der Fall. Zumindest teilweise. Während auf der Straße rauchen wirklich nur in bestimmten, extra ausgezeichneten „Smoking Areas“ der Fall ist, darf man in so gut wie allen Restaurants und zum Teil sogar auf Hotelzimmern rauchen. Gerade Ersteres war für mich zunächst sehr ungewohnt. Zwar gibt es oftmals in Restaurants Ecken für Nichtraucher, allerdings sind diese nicht wirklich vom Raucherbereich getrennt und der Sinn dahinter erschließt sich somit eher nicht. Mal wieder Essen in schön verrauchten Kaschemmen, in denen der Dunst schon unter der Decke hängt. Jippie.
Aber: Ich rauche nicht und mag den Geruch nicht sonderlich. Ich muss allerdings zugeben, dass ich die lustigsten Abende der Reise im Kreise der trauten Rauchergruppe verbracht habe. Die waren stets über alle Gerüchte, Tatsachen und jeden Klatsch informiert und hatten generell am meisten Spaß. Wie wir mal ein halbes Ryokan vom Hof aus unterhalten haben… Sehr amüsant.

Klischee: Die Japaner sind ein bisschen verrückt. Was es da nicht alles gibt…
Gesehen: So ziemlich alles wovon man mal gehört hatte. Cafés in denen die Bedienungen sich seltsam verkleiden (von Alice im Wunderland bis hin zu Vampiren ist da einfach alles zu finden – übrigens kein billiges Vergnügen, vor fotografierenden Touristen wird sich durch Mindestverzehr etc. geschützt), Kaufhäuser mit gigantischem Angebot (da ist Amerika NICHTS dagegen, glaubt mir), spezielle Shops für so ziemlich alles (sogar ganze Ladenketten in denen es nur bedruckte Söckchen gibt) und so weiter und so fort. Natürlich gibt es auch all die diversen Etablissements der verruchten Sorte, die manchmal im Ausland ein komisches Licht auf die Japaner werfen.

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Oft genug im Fernsehen gesehen: Die Japaner tragen überall Mundschutz.
In Japan gesehen: Es gibt schon einige. Aber doch auch nicht so viele wie man glauben würde. Man kriegt die Dinger zwar in jedem Supermarkt, allerdings hätte ich mehr erwartet. Noch dazu war für mich kein wirkliches Muster zu erkennen. Ich habe im Vorfeld angenommen, dass sich die Leute dadurch vor allem vor Dreck und Smog in den Großstädten schützen wollen. Man sah aber auch mitten in den Bergen Menschen mit Mundschutz.

Bekanntes Schönheitsideal: Die Japanerinnen bevorzugen blasse Haut.
Realität: Mag sein. Allerdings es auch noch ganz andere Gründe, dass viele Frauen mit einem Sonnenschirm durch die Gegend laufen (das ist wirklich ein ganz gewöhnlicher Anblick). Die Sonne knallt wirklich geradezu vom Himmel und ist unheimlich intensiv. Dazu kommt die krasse Hitze und Schwüle. Man wird also irgendwann selbst zu einem „Schattensucher“ und versucht sich nur noch so schnell wie möglich vom einen Schatten zum nächsten zu begeben. Einen Sonnenschirm hätte ich mir spätestens in Tokyo auch oft gewünscht.

Im Reiseführer gelesen: Die Japaner bestehen zum Größtenteils aus Shintoisten und Buddhisten.
Erlebt: Das ist nun mal schlicht und ergreifend eine ganz andere Kultur. Und wie bei allem gibt es auch bei diesen Religionen Dinge, mit denen ich einverstanden bin und andere Sachen, die mir sauer aufstoßen. Allerdings nimmt dieser Glaube für westliche Maßstäbe schon auch durchaus skurrile Formen an. Wo sonst sieht man auf Friedhöfen schon Firmengräber von Panasonic?

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Verblüfft: In Japan findet man kaum Mülleimer.
Hintergrund: Vor ein paar Jahren gab es einen Anschlag, bei dem in einem Mülleimer eine Bombe versteckt wurde. Seitdem hat man Angst vor einer Wiederholung und hat die meisten Mülleimer abgebaut.
Erst recht verblüfft: Trotzdem ist es total sauber. Obwohl der Mangel an Mülleimern dazu führt, dass man seinen Abfall zum Teil wirklich einen halben Tag mit sich herumträgt, bevor sich endlich eine Gelegenheit zur Entsorgung bietet, sind die Japaner diszipliniert. Dort sieht man tatsächlich nirgends Müll einfach so herumliegen.

Japanisches Sprichwort: Wer einmal auf den Fuji steigt ist weise – wer es zwei mal tut, ist ein Dummkopf.
Meine Meinung: Schon wer es ein mal tut braucht verdammt gute Nerven.
Eines vorweg: ich war nicht oben. Allerdings auf der letzten Station, die mit dem Bus erreichbar ist und ich habe mich auch länger mit einem Schweizer Pärchen unterhalten, das oben war.
Aber allein die letzte Station und das Touristenzentrum reicht vollkommen aus, um auch nur jedes winzig Verlangen diesen gigantischen Berg zu erklimmen, im Keim zu ersticken. 3000 Touristen am Tag sind keine Seltenheit, die Wanderwege sind gute 5m breit und oftmals kommt es beim Wandern zu Staus. Wer zum Sonnenuntergang oben ist, wird nicht nur von einem Naturschauspiel überrascht, nein, auch von der Nationalhymne, die aus Lautsprechern ertönt. Und von den allgegenwärtigen Getränkeautomaten.

Japan Fuji blue sky tourists

Klischee: Zur Rushhour sind die U-Bahnen heillos überfüllt und es gibt sogar Menschen, deren Job daraus besteht noch ein paar mehr Leute in die Wagons zu quetschen.
Tatsache: Genau so ist es. Als Europäer wartet man da lieber auf die nächste Bahn.
Interessante Anekdote: Traurigerweise ist ein solches Gedrängel natürlich die perfekte Spielwiese für den ein oder anderen Perversen. Gerade in den 90ern war das ein großes Problem, als die aktuelle Mode gerade besonders kurze Röcke schick fand. Daher funktioniert die Fotofunktion von Klapphandys auch nur im senkrechten Zustand. Waagrecht lässt sich nichts knippsen…
Es gibt auch extra Wagons nur für Frauen. Und selbstverständlich auch den ein oder anderen traurigen Fall von falschen Unterstellungen.

Japan plastic food model shop window

Hat jeder schon mal gehört oder gesehen: In Japan findet man vor allen Restaurants, Imbissen etc. Plastikmodelle vom angebotenen Essen.
Realität: Ist genauso. Und anders wäre es als Europäer erst gar nicht möglich überhaupt etwas zu essen zu bestellen. Karten lesen fällt ja weg, Kellner fragen ebenfalls. Selbst mit diesen Plastikmodellen glich so manche Bestellung einem Glücksspiel (genaue Zutaten sind da nicht unbedingt herauszulesen).
Praktisch: In der Regel bestellt in Japan nicht jeder sein eigenes Gericht, sondern der Tisch als Einheit mehrere Kleinigkeiten. Das ist echt praktisch, gerade wenn man wie ich etwas skeptisch ist, was das Essen angeht. Man kann so super Dinge ausprobieren und selbst wenn man mal daneben liegt: allzu viel ist nie davon da und jemand anderes mag das dann schon.

Fazit: Japan war schlicht und ergreifend ein Erlebnis!
Und: Irgendwann noch einmal!
Dann allerdings nicht im Sommer, sondern lieber zur Kirschblüte im Frühling oder zur Laubfärbung im November. Die Sommermonate sind schlicht und ergreifend einfach ein wenig zu schwül und landschaftlich nicht ganz so reizvoll wie andere Jahreszeiten.


Ich denke das wären für’s erste genug Fakten, Klischees und Skurrilitäten aus dem Land der aufgehenden Sonne. Dieser Urlaub war definitiv das, was man ein Abenteuer nennt. Und wenn man mal mit dem erzählen anfängt, weiß man eigentlich gar nicht mehr wo man aufhören soll…

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  1. Jasmin

    18. April 2016 um 14:08 Uhr

    Liebe Christine,
    das ist alles so interessant, ich wäre wirklich total gerne auf deiner Japanreise dabei gewesen!
    Und da hast du recht, auch ich habe schon öfter festgestellt, dass man mit den Alkoholikern und den Rauchern den größten Spaß haben kann :-D
    Ich glaube wirklich, dass ich in Japan aus dem Staunen nicht mehr herauskommen würde, mich aber wahrscheinlich das eine und andere auch einfach nur nerven würde. Ich mag zu viele Menschen an einem Ort nicht und was das Warten angeht bin ich total ungeduldig.
    Bin jetzt auch nicht so die Läuferin und ich glaube, auf dem Weg nach oben auf den Berg würde ich die ganze Zeit rumquengeln :-D
    So, jetzt muss ich mal schnell mit den Hunden Gassi gehen und dann durchstöbere ich deinen Blog weiter nach Japanposts ;-)
    Viele liebe Grüße
    Jasmin

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  2. Oh man, du machst einem Japan wirklich schmackhaft. Bisher ist Asien generell die Ecke unserer schönen Welt, die mich am wenigsten anzieht – jeder hat da halt so seine Vorlieben. Aber allein schon wegen all der kulturellen Unterschiede und kleinen Skurrilitäten möchte ich nun doch irgendwann mal hin (wenn auch nicht gleich als erstes).^^ Auf jeden Fall bringt es immer wieder Spaß, deine Reiseberichte zu lesen! :-) Und der Post wird auch gleich wieder an die beste Freundin geschickt, die ja der größte Japan-Fan überhaupt ist. ;-)

    GLG, Sabrina
    Happiness-Is-The-Only-Rule

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  3. Rena

    6. Oktober 2015 um 21:26 Uhr

    Liebe Christine, danke auch für diesen wieder extrem interessanten Bericht! Das ist ja wirklich eine andere Welt in Japan und ich bin wirklich erstaunt über die Dinge wie Firmenfriedhöfe und Menschen, die andere Menschen in die U-Bahn hineinpressen, damit mehr hineinpassen … aber auch echt toll, wie diszipliniert, die Japaner sind! Freu mich schon, wenn Du wirklich mal wieder nach Japan fährst, denn Du berichtest einfach toll.
    Liebe Grüße von Rena
    http://www.dressedwithsoul.com

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  4. Lea

    4. Oktober 2015 um 22:28 Uhr

    das sind wirklich ganz tolle Eindrücke, die du mit uns teilst! Ich war über einige Dinge wirklich erstaunt. Zum Beispiel die Sache mit den Mülleimern finde ich sehr komisch. Hier in Deutschland würde das aber auch einfach nie funktionieren, dass die Personen den Müll nicht einfach auf die Straße werfen.
    Plastikessen hatte ich übrigens vorher noch nicht gesehen. Irgendwie finde ich es auch total unappetitlich :D Aber wenn man mal so überlegt, ist es die einzige vernünftige Variante. Damals in Shanghai gab es das nicht und es hätte mir total geholfen und sicherlich die ein oder andere Fehlbestellung verhindern können…
    Liebe Grüße
    Lea
    LICHTREFLEXE
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  5. Schöner Bericht :-). Ich war im Mai diesen Jahres bereits zum 5. mal dort und freue mich darauf immer wieder dorthin reisen zu könne. Eine kleine Ergänzung zu dem Mundschutz und dem nicht erkennbaren Muster:

    Japaner tragen einen Mundschutz wegen vieler Gründe. Das kann die Luftverschmutzung sein, eine Erkältung, Heuschnupfen, oder auch wenn gerade viele um einen herum krank sind. Und Frauen tragen auch mal eine Maske, wenn Sie gerade keine Lust haben sich zu schminken. Nur so als kleine lustige Ergänzung ;-)

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    1. Das mit dem Mundschutz ist schon manchmal lustig… wir haben auch in den Bergen welche beim Laufen damit gesehen. Dann dachten wir schon: ist die Luft hier so schlecht? Sind die jetzt krank und joggen trotzdem?
      Bei Taxifahrern oder so, dachte ich mir auch, dass die das einfach machen, um sich nicht ständig bei all den Leuten um die herum anzustecken…

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      1. Ach und übrigens: fünf Mal Japan ist schon eine ganz schöne Leistung. ;)

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  6. Danke für deinen lieben Kommentar ! :) Und wow dein Blog ist echt cool muss ich sagen, der sticht unter so vielen anderen echt raus. Eine Leserin hast du aufjedenfall mehr :)
    Liebe Grüße, Inga

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  7. Ja, also so eine kleine Kamera ist schon echt toll und mir reicht die Qualität auf jeden Fall. Besonders die Video- und Tonqualität finde ich unschlagbar und dafür habe ich sie ja vorrangig gekauft!
    Ich bin auch gespannt wo es mit dem Vloggen noch hingeht, haha :D Ich finde auch man freut sich jedes Mal über Postkarten!
    Wieder mal ein spannender Blogpost über Japan, cool!

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  8. Der Post ist von vorne bis hinten spannend. Ich muss zugeben, Japan ist eines der Länder, wo es mich am wenigsten hinzieht. Was du allerdings erzählst, von seltsam bekleideten Bedienungen und Sonnenschirmen – das klingt wirklich faszinierend. Bei einigen Klischees war ich mir gar nicht bewusst, dass es welche sind, ich dachte zum Beispiel, der Mundschutz in japanischen Großstädten wäre eine Tatsache. Und die großen Menschenmengen in den Millionenstädten muss man ich mir dann wohl auch mal von nahem anschauen. Vielleicht sollte ich doch mal irgendwann Japan bereisen :)
    Erhol dich gut von deinem Abenteuer!

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  9. Wow, was für ein toller Post!! Sehr informativ und die Bilder sind einfach fantastisch! Ich möchte auch gerne mal nach Japan, ich würde so gern durch Kyoto laufen…
    Alles Liebe
    Anna von LianaLaurie

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