Schnipsel

Genauso wenig wie eine Überschrift, fällt mir nun eine passende Einleitung ein. Das sind einfach nur Schnipsel. Fragmente, ohne übergeordnetem Thema oder so. Ich könnte natürlich „Random Facts“ schreiben, ich steh allerdings nicht so auf Anglizismen ohne triftigen Grund. Oder darauf, was halt alle schreiben. Sicherlich schlecht für die SEO, aber egal. Es folgen also Schnipsel; entstanden immer wieder dann, wenn ich etwas Luft hatte und ein paar Zeilen – ohne gleich genug Stoff für einen ganzen Post zu haben – schreiben wollte.

#1 Ich habe eine Telefonphobie…

Das ist vielleicht eines der Dinge, die Menschen, die mich persönlich kennen, am meisten überrascht. Ich rede gerne. Und manchmal auch zu viel. Aber ich hasse telefonieren!

Tatsächlich gibt es nur sehr wenige Menschen, mit denen ich gerne telefoniere… Und das dann auch eher gezwungenermaßen.

Gerade beruflich bin ich heilfroh, dass es heutzutage so etwas wie eMails gibt. Ansonsten würde ich nämlich ständig in die Röhre schauen… Ich habe keinerlei Probleme damit mich zu verbeissen, bleibe hartnäckig und schreibe lieber ein paar mehr Mails, gehe so richtig auf die Nerven, bevor ich auch nur ein Mal freiwillig zum Telefon greife! Dabei käme ich so manchmal sicherlich etwas schneller vorran… trotzdem! Beim Telefonieren – gerade bei Arbeitsdingen – werde ich schrecklich nervös und komme mir beim Gespräch selbst dann immer etwas dumm vor; als würde ich mich dabei besonders doof anstellen und könnte einfach nicht das rüberbringen, um was es mir geht. Ich verhasple mich ständig und fühle mich nach dem Auflegen als hätte ich einen Marathon hinter mir. Einen, bei dem ich nicht durchs Ziel gelaufen bin. 

Seltsamerweise macht es mir weniger aus, wenn ich angerufen werde… Nur das Wählen, das Warten aufs Abheben und das von mir aus Anfangen bereitet mir Schwierigkeiten. Und das, obwohl ich doch nun schon seit Jahren offiziell erwachsen und schon groß wäre. Und auch schon ganz andere Dinge geschafft habe…

Das ist auch einer der Gründe, warum ich es seit Monaten vor mir her schiebe, endlich meinen völlig veralteten (mit wirklich lächerlichen Konditionen) Handyvertrag umzustellen. Weil ich das in meinem Fall nicht selbst im Internet erledigen kann und bei einer Hotline anrufen müsste…!

Ziemlich lächerlich, wenn ich ehrlich bin.


#2 Ich sehe eigentlich nur auf einem Auge schlecht

Eigentlich sehe ich nur auf einem Auge schlecht; nämlich auf dem linken. Deshalb sieht man mich durchaus öfter mal ohne Brille. Oder sie plötzlich bei einem Shooting abnehmen. Immer ein guter Trick, um die Leute um einen herum zu verunsichern. ;)

Theoretisch könnte ich also ohne Brille leben; tatsächlich nehme ich sie zum Beispiel zum Fernsehen immer ab (was schon alleine daran liegt, weil es viel bequemer ist, wenn man eine horizontale, auf der Seite liegende, Fernseh-Stellung bevorzugt), die Praxis sieht jedoch ganz anders aus. Weil ich auf dem anderen Auge fast normal sehe (bzw. die „Schwäche“ auf dem Auge zu verachten ist), macht mir der Unterschied manchmal ganz schön zu schaffen; umso mehr seit ich weiß wie scharf ich mit Brille sehen kann! Ohne Brille hat mein Gehirn allem Anschein nach so viel mit dem Ausgleich zu tun, dass ich umso mehr zu Kopfschmerzen neige. Während ich die – und diverse Nackenverspannungen – um ein großes Maß verringern konnte, seit ich eine Brille trage.

Und obwohl ich kurzsichtig bin, kann ich mir die Arbeit vor dem PC ohne mittlerweile überhaupt nicht mehr vorstellen! Die empfinde ich sofort als mega-anstrengend und ich kann – selbst um nur mal eben etwas nachzuschlagen – nicht mehr an den Laptop gehen, ohne zur Brille zu greifen.

Bisschen eigenartig.


#3 Mein Bedarf an Alleinsein und Nähe kann auf andere seltsam wirken

Ich brauche Zeit allein. Zeit für mich, ziemlich viel Zeit für all die Ideen und Pläne, die mir den Tag über im Kopf herumspuken. Und so etwas wie Langeweile? Kenne ich nicht. Irgendwas fällt mir immer ein…

Und dann neigt sich der Tag dem Ende zu und ich stelle fest: einiges geschafft heute, aber geredet habe ich bisher mit niemandem. Man darf natürlich nicht vergessen, dass ich – sieht man von Shootings ab, die man halt nicht jeden Tag hat – unheimlich viel Zeit alleine vor dem PC verbringe. Ich gehe in kein Büro, treffe keine fremden Menschen. Ich stehe auf, frühstücke, staubsauge, und setze mich vor meinen PC, der in meinen vier Wänden steht. Tag für Tag, so gut wie immer sechs Tage die Woche. Da kann einem schon mal die Decke auf den Kopf fallen! Irgendwie ist es also kein Wunder, dass ich nach einigen Tagen produktiver, konzentrierter Arbeit umso mehr den Bedarf nach irgendetwas anderen als dieser Wohnung habe. Und manchmal das Gefühl habe, mehr Abwechslung zu brauchen. Öfter mal raus zu müssen. Auch mal weiter raus als meine übliche Spaziergehrunde.

Und doch ist es für meine Mitmenschen sicherlich nicht immer einfach bei mir durchzusteigen: hat sie den Kopf gerade wieder irgendwo in den Wolken? Oder braucht sie Zerstreuung?
Gerade wenn ich von Shootings nach Hause komme, gäbe es eigentlich so viel zu erzählen. Und dennoch bringe ich gerade dann den Mund nicht auf. Ich, die sonst immer eher zu viel redet…

Ich kann ziemlich gut mit mir allein sein. Und irgendwie doch nicht.

Während ich die meiste – und eher mehr als andere – Zeit ganz zufrieden damit bin so vor mich hin zu wurschteln, brauche ich sie auf einmal ganz plötzlich. Die Nähe. Die Ansprache. Den Austausch. Und das kollidiert mitunter dann schon mal ganz schön mit dem Alleinsein/Nähe Bedürfnis meiner Mitmenschen… Trifft die kurz nach Feierabend. Oder im Stress. Oder halt irgendwie unpassend. Aber weil ich niemand bin, der ständig Nähe braucht und vorher so lange kein Verlangen danach hatte, habe ich sie dann umso nötiger. Fordere sie ein und bin entmutigt und enttäuscht, wenn der andere gerade noch sein eigenes Süppchen kocht. Und mir dann nicht bietet, was ich jetzt in diesem Moment brauche.

Obwohl ich selbst ständig so bin, mich genauso verhalte und weiß wie sich das anfühlt, wenn man noch zu sehr mit sich selbst beschäftigt ist, bin ich dann enttäuscht, wenn mir Menschen nicht gleich das geben, was ich jetzt, in diesem Moment, brauche.

Vor kurzem habe ich mich mit einer meiner ältesten Freundinnen über mein seltsames Verhältnis zum Nah- und Alleinsein unterhalten; und erleichtert festgestellt, dass ich nicht die einzige bin, die nicht ständig aufeinander sitzen muss, ohne dass das bedeuten würde, dass wir das manchmal nicht ziemlich dringend bräuchten.

Vielleicht ist das so ein typisches Künstlerding. Wir brauchen Zeit für uns; für alle das, was sich nur in unserem Kopf abspielt. Aber nach einiger Zeit wiederum jemanden, der uns da raus holt. Weil wir sonst verdammt einsam werden. 


#4 Ich habe abartige Flugangst

Ziemlich blöd gelaufen, würde ich sagen. Flugangst und ständiges Fernweh vertragen sich nämlich nicht sonderlich gut! Trotz all der Atemtechniken und Meditationsübungen (bei denen ich ehrlich gesagt kläglich versage) bin ich im Flugzeug regelmäßig kurz vorm Nervenzusammenbruch und mittlerweile bei meinen Sitznachbarn gefürchtet. Inzwischen wird mir zwar kommentarlos die Hand entgegen gestreckt, jedoch auch irgendwann mit schmerzverzerrtem Gesicht zurück gefordert.

Problematisch wird das natürlich vor allem, wenn neben mir mal kein Familienmitglied oder wohlgesonnene Begleitung sitzt…

Bis heute sehe ich als einen meiner größten Triumphe, wie ich damals allein – und ohne Belästigung meiner, mir fremden, Sitznachbarin –  von München nach Edinburgh geflogen bin. Ganze 1 1/2 Stunden lang…


#5 Ich bin mir selbst selten gut genug…

Ich bin mir selbst der größte Feind. Bin mir selten mal gut genug und nur in Ausnahmen mit meiner eigenen Leistung zufrieden. Dabei gibt es diese Phasen, in denen ich mit einer ganz anderen Selbstverständlichkeit an die Dinge heran gehe und spüre, dass es so viel besser läuft. Wenn ich nicht jede Handlung drei Mal überdenke, jedes Wort fünf Mal im Kopf umstelle und nicht zu viel – an mir – zweifle. Wie die Dinge dann auf einmal ganz natürlich an ihren Platz zu fallen scheinen. Als hätten sie immer so ein sollen.

Und dennoch sind diese Zeiten nie von langer Dauer. Holt mich der alte Selbstzweifel immer wieder ein. Werde wieder ängstlich, wo ich es nicht sein dürfte. Sollte. Oder müsste.

Bin traurig darüber, enttäuscht über mich selbst. Und schaffe es dennoch nicht die Dinge geradliniger oder klarer anzugehen.

Ich hadere, denke zu viel nach und zögere im falschen Augenblick. Weil ich Angst habe. Weil ich nicht glauben kann, dass das jetzt in diesem Moment wirklich für mich passieren soll.

Und darum, lasse ich es manchmal einfach bleiben. Ziehe den Schwanz ein, ergreife die Flucht. Und frage mich manchmal, vor was ich da eigentlich Angst habe. Für was ich nicht gut genug bin und was passieren sollte, damit ich es jemals bin.

Kommentar verfassen

Beim Absenden deines Kommentars erklärst du dich damit einverstanden, dass deine Angaben verarbeitet und gespeichert werden. Bitte lese dir dazu die Datenschutzerklärung durch.

  1. In Nummer 5 erkenne ich mich wieder. Ich nenne es unerreichbaren Perfektionismus bei mir. Es ist wie eine eigenen Macht, die auf den Schulter sitzt und dich geduckt hält. Kopf nach unten, Augen gesenkt und keiner nimmt mich wahr. So sehr nagt dieses Gefühl an mir. Ich wünsche mir manchmal, dass es überall ist wie bei mir in der Kunst. Da existiert kein Vergleichsgedanken zu anderen Menschen. Sondern ich mach einfach nur. Auch wenn ich selten zufrieden mit meinen Ergebnissen bin, so bin ich glücklich während der Entstehung der Idee und der Umsetzung. Und dafür mache ich das ganze Kunst-Fotografie-Film-Ding eigentlich.

    Grüße
    Yve

    Antworten