Behind the Scenes für Cap Kendricks & Frozen Fortress

Was macht man, wenn es so kalt ist, dass einem gefühlt die Finger abfrieren, die Akkus in Rekordzeit sterben und man sich nur eingepackt wie ein Michelin-Männchen nach draußen wagen sollte? Genau. Man dreht ein Musikvideo.

Cap Kendricks; Frozen Fortress Musicvideo Behind the Scenes

Für diesen Dreh haben wir uns einen der schönsten, aber auch kältesten – und das sogar ganz offiziell – Tage des vergangenen Winters ausgesucht. Wobei „aussuchen“ dabei relativ ist; natürlich hatten wir eine Deadline, vor Weihnachten/Neujahr weder das richtige Wetter, noch gab der Terminkalender den dazu nötigen Platz her und dementsprechend letztlich zeitlich gar keine andere Möglichkeit als uns an einem der kältesten Tage des Winters auf den Weg in den Wald zu machen. Und mal ehrlich: bei dem Songtitel? Da muss es ja quasi kalt sein…

Wir hatten also nicht unbedingt die idealen Bedingungen; zumindest für ein Model. Oder Akkus (von denen ich gleich mehrere in meinen Jackentaschen untergebracht hatte; um sie wenigstens so warm wie möglich zu halten).

Was wir allerdings hatten war definitiv einer der zauberhaftesten Wintertage des Jahres. Eigentlich sogar DER schönste Tag des Winters (so schön war der Winter selbst kurze Zeit danach nicht mehr). Denn was uns da geboten wurde, war schlicht und ergreifend zauberhaft. Frisch gefallener Schnee, noch völlig unberührte Landschaften und grandioses Licht. Selbst das Wasser der Isar war wärmer als die Umgebung und dampfte in der klirrend kalten Luft; was der Szenerie ein bisschen Mars-Feeling verlieh (und mich zumindest ein wenig an Schwefeldampf auf Island erinnerte).

All das machte die widrigen Bedienungen immerhin etwas wett.

Denn ganz einfach war die Arbeit an diesem Tag natürlich nicht.

Von Fußspuren im Schnee und Rauchbomben…

Schon relativ früh in der Planung stand fest, dass wir das Video in der Umgebung meiner Heimat drehen würden. Die größten Mittel hatten wir nicht zur Verfügung, aber wir gingen davon aus, dass die Natur das wett machen und uns zahlreiche Möglichkeiten bieten würde. Das tat sie auch, in der Praxis stellte sich frisch und vor allem nicht unerheblich hoch gefallener Schnee dann allerdings als nicht ganz einfach zu handhaben heraus.

Habt ihr schon mal versucht elegant durch den Schnee zu „stapfen“? Genau. Das klingt schon als wäre es zum Scheitern verurteilt und „stapfen“ ist wahrlich das beste Wort dafür. Denn: es geschaltet sich recht schwierig sich wie eine Gazelle im verschneiten Wald zu bewegen.
Ich will erst gar nicht davon anfangen, wie schwer es erst ist einigermaßen ruhige Bilder und Bewegung mit der Kamera einzufangen, während man bei jedem kleinen Schritt im kniehohen Schnee einsinkt…

Und wie schnell sich doch tiefe – kraterähnliche – Fußspuren durch eine einst unberührte Schneelandschaft ziehen, wenn man erst mal ein, zwei Stunden an einer Location gedreht hat! Irgendwann begannen wir Szenen in den eh schon ramponiert aussehenden Bereichen zu üben; um uns auch ja die verbliebenen Möglichkeiten nicht frühzeitig zu nehmen. Und was die Rauchbombe anging? Von der hatten wir genau eine… Was uns natürlich überhaupt nicht unter Druck gesetzt hat (wobei die unerwarteterweise noch das geringste Problem war; im Gegensatz zu früheren Versuchen mit diesen Dingern, kam dieses Mal weder Wind auf noch sonstige Widrigkeiten dazwischen und ich muss sagen: in solch – zugegeben seltenen – Fällen brennen die wirklich recht lang und hübsch).

Ein bisschen unwohl habe ich mich ehrlich gesagt mit all dem roten Rauch im Wald ja schon gefühlt… Öhm… Na ja, wenn’s keinen stört…

… über Bäumchen rütteln dich und schüttelt dich…

Sobald sich irgendein Baum in erreichbarer Nähe dazu entschloss, die Schneelasten abzuschütteln, ließen wir alles stehen und liegen, um dorthin zu eilen und Ly möglichst ansehnlich darunter zu platzieren. Denn man glaubt es kaum, aber so ein durchschnittlicher Baum lässt sich nicht allzu leicht dazu verleiten Schnee auf einen herunter „regnen“ zu lassen. Da half alles schütteln und rütteln nicht; selbst Schneebälle zeigten nur mäßig Erfolg. Wir machten die Erfahrung: es gibt gute und schlechte Bäume. Bei den Guten fiel im besten Fall nach einer stürmischen Umarmung unsererseits etwas herunter. Die Schlechten ließen sich nicht von einem herzlichen Drücken beeindrucken und schickten höchstens viel später und zu einem völlig unpassenden Zeitpunkt eine Ladung Schnee herab.

… bis hin zum Beinahe-Abgeschleppt-werden-müssen.

Nachdem der erste Teil der Szenen „im Kasten“ und die ersten Akkus leer waren (Himmel, bei der Kälte ging das so schnell), stand nicht nur ein Locationwechseln an, nein, wir brauchten auch alle eine kleine Pause. Von Aufwärmen konnte nicht wirklich die Rede sein, wir haben aber immerhin eine kleine Brotzeit in meinem Kofferraum ausgebreitet und in der Sonne etwas gegessen. Viel Zeit blieb jedoch nicht, denn im Winter arbeitet wirklich alles gegen einen: die Kälte, die Berge, hinter denen die Sonne viel zu schnell verschwindet…

… und die Straßenverhältnisse! Denn die Orte, die ich für den zweiten Teil des Drehs vorgesehen hatte, sind im Winter zwar über eine Mautstraße zugänglich und diese wird auch geräumt; das gilt allerdings nicht für die Parkplätze. Das bescherte uns zwar menschenleere und noch absolut unberührte Landschaft, bedeutete jedoch auch wildes Parken. Was wiederum einerseits – angesichts der nicht vorhandenen Menschen; aka keinem Verkehr – kein Problem darstellte, andererseits aber auch dazu führte, dass ich bei meinem Versuch – wenn schon… – zumindest am Straßenrand zu parken, im Schnee stecken blieb.

Ehrlich gesagt sah ich mich schon im Schnee festgefahren und ohne andere Möglichkeit als meinen Papa zur Hilfe zu rufen… das wäre eine Story für die Familienmemoiren geworden, die ich mir noch in 20 Jahre hätte anhören müssen! Beinahe wäre ich auch so weit gewesen schon die Fußmatten unter die Reifen zu legen, während ich allerdings noch überlegte, ob die wohl unter die Vorder- oder Hinterräder (… bitte… sagt nichts…) gehören (wiederum ein Tipp von meinem Papa, an dem ich mich wenigstens noch erinnert habe), schafften wir es dann zu viert eben doch noch mein Auto aus dem Schnee zu bekommen.

Das mit dem sowieso-nicht-vorhanenden-jedoch-möglicherweise-vorkommenden-Verkehr war mir danach herzlich egal. Vom Straßenrand hielt ich wohlweislich gehörigen Abstand.

Frozen Fortress

Das Ende des Tages kam schneller als gedacht und so war die letzte Szene im wahrsten Sinne des Wortes mit dem letzten Fitzelchen Licht im Kasten. Schon auf der Rückfahrt, die Mautsraße entlang und noch beim Versuch ein paar letzte Bilder einzufangen, wurde es stockdunkel (aus einem fahrenden Auto heraus zu filmen, während man über eine unebene, verschneite Straße fährt ist übrigens auch keine allzu gute Idee. Zumindest nicht wenn man selbst drin sitzt und freihändig filmt…).

Und somit ging dann ein sehr anstrengender, sehr kalter und aber auch sehr wunderbarer Tag zu Ende.

Fazit: eine Stumpfhose UND eine Jeans unter einer Skihose zu tragen macht definitiv weder sonderlich viel für die Figur (und manch einer stellt fest, dass seit dem letzten Anprobieren doch etwas mehr Zeit vergangen ist und die Hose vielleicht nicht mehr ganz so gut passt…), noch verleiht es einem Grazie. Allerdings: ich kam manchmal fast ins Schwitzen. Zumindest ich; das Model durfte frieren.

Music: Cap Kendricks
Haare/Make-up: Hannah Manser
Model: Ly
Video: Christine Polz


PS: Unser Video hat es in die diesmonatigen Top5 der Musikvideos beim Bayerischen Rundfunk geschafft!

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  1. Tabea

    13. April 2017 um 20:15 Uhr

    Soo… jetzt aber endlich! So ewig will ich den Post schon lesen und nun wird es was. Der Rest der Welt kann warten.

    Auf die Idee, bei solchem Wetter ein Video zu drehen, wäre ich ja nicht gekommen – und wenn doch, hätte ich sie verworfen! Für Kälteallergie-Menschen wie mich wäre das pures Gift ;)

    Optisch finde ich Schneelandschaften ja auch zauberhaft, aber wegen der Kälte kann ich das eben meist nicht recht genießen… schön, dass du es als kleine Entschuldigung für die Temperatur gesehen hast :)

    Mit Rauchbomben würde ich auch zu gern mal experimentieren, aber leider bin ich zu geizig… daher freut es mich natürlich, dass mit eurer alles geklappt hat. Die Angst kann ich nämlich verstehen!

    Euer Bäume-Rütteln klingt irgendwie ein bisschen lustig, auch wenn es natürlich sicher richtig nervig war, dass nur dann etwas runter kam, wenn ihr das nicht wolltet. Ich hätte echt gedacht, dass ein bisschen rütteln reichen würde.

    Von Fußmatten unter Reifen lese ich hier zum ersten Mal! Danke für den Tipp – auch, wenn ich ja Auto fahren im Winter eh vermeide und höchstens zur Arbeit fahre ;) Gehören sicher unter die Antriebsräder, oder?

    Danke für die spannenden Einblicke in euren Dreh! Das Video muss ich gleich anschauen!

    Liebe Grüße

    PS: Du brauchst einen Twitter-Share-Button für mich ;) Es ist ein wenig nervig, immer den Link zu kopieren :(

    Antworten
  2. Mny

    10. April 2017 um 15:49 Uhr

    Wow!!! Das Video ist der Wahnsinn und ich liebe solche „behind the scenes“-Berichte. Vor allem, wenn man so ins Detail geht wie du :) Es sieht imemr alles so perfekt aus wenn es fertig ist – wer rechnet denn damit dass diese sturen Bäume nicht einfach mitspielen? ;)
    Dein Perfektionismus ist wirklich toll – ich mag sowas! Wie lange braucht man denn für so einen Videodreh? Das klingt ja nach sehr viel Arbeit. Und seid ihr nicht fast erfroren? ^^

    Lg, Mny von http://www.braids.life

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  3. tamara

    10. April 2017 um 10:46 Uhr

    Wahnsinn wie schön das Video gelungen ist! Es sieht so kalt, aber so friedlich, natürlich und einfach toll aus. Ich kann mir vorstellen, wie kalt es war, allerdings erlebt man so eine tolle, unberührte Winterlandschaft nicht oft, oder? Ich hab mir das Video jetzt schon 3 mal angesehen, weil ich SO fasziniert bin vom Ergebnis. Du hast es echt toll gemacht, ihr alle.

    Liebe Grüße,
    Tamara | brunettemanners.at

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  4. Anne

    10. April 2017 um 8:35 Uhr

    Ich finde es total spannend, wie du uns an der Entstehung solcher Musikvideos teilhaben lässt. Man vergisst zu schnell wie viel Arbeit aber auch Herzblut hinter soetwas steht. Auch die Bilder sind wieder atemberaubend!
    Liebe Grüße
    http://trustyourgut1.blogspot.de/

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  5. Rena

    9. April 2017 um 22:46 Uhr

    Die Arbeit war es auf jeden Fall wert! Ein Traum! Ausgerechnet am kältesten Tag des Jahres … das mit den Fussmatten funktioniert übrigens wirklich, allerdings wüsste ich jetzt auch nicht mehr, ob ich die unter die Vorder- oder Hinterreifen legen müsste :) Wenigstens war es Dir warm! Vielen Dank für diesen zauberhaften Post.
    http://www.dressedwithsoul.com

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  6. Sarah

    9. April 2017 um 21:46 Uhr

    Wow! Das Video ist echt super cool geworden. So ein Dreh bei Schnee wäre ja gar nichts für mich. Meine Finger würden innerhalb von 5 Minuten absterben. ich bin eine echt Frostbeule xD
    Liebe Grüße
    Sarah

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  7. luxundpoppy

    9. April 2017 um 20:45 Uhr

    Ohh tolle Bilder und tolle Behind the Scenes Geschichte :D Das Video ist wirklich gut gelungen :D

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  8. Wow das hört sich ja nach einem super anstrengenden Tag an… aber das Ergebnis kann sich auf alle Fälle sehen lassen. Das war die Mühe auf alle jeden Fall Wert! Einfach nur wunderschön. :)
    Liebste Grüße Tamara
    http://www.fashionladyloves.com/

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