Lieblingsszene: Memoirs of a Geisha (Chiyo’s Lauf durch Torii)

Memoirs of a Geisha Fushimi Inari-Taisha Torii Kyoto Japan

 

Es ist schon eine gefühlte Ewigkeit vergangen, seit ich meine letzte Lieblingsszene aus einem Film gezeigt hatte. Also dachte ich mir: höchste Zeit mal wieder einen Liebling zu teilen.

Der Film: Memoirs of a Geisha

Dieses Mal eine Szene, der etwas andern Art. Eine, die ich nicht unbedingt wegen dem Gesagten oder der Aussage dahinter so gerne habe. Nein, dieses Mal geht es um eine Szene, die unter anderem dafür verantwortlich war, dass wir letzten Sommer um die halbe Welt nach Japan geflogen sind. Einen großen Teil meiner Faszination für Kyoto und die Umgebung ist nämlich dem Buch Memoirs of a Geisha bzw. der gleichnamigen Verfilmung geschuldet.

Machen wir uns nichts vor, der Film trägt mit Sicherheit nicht dazu bei mit diversen Vorurteilen Geishas gegenüber aufzuräumen (nein, eine Geisha ist keine Prostituierte!) und bestärkt gewisse Klischees eigentlich sogar, aber man kann nicht umhin dem Film zuzugestehen, dass er wunderschön umgesetzt ist. Teilweise wurden sogar die im Roman beschriebenen Kimonomuster eins zu eins für den Film umgesetzt. Und wenn schon die Story in einigen Aspekten komplett von der Vorlage abweicht, stellt einen Leser zumindest die visuelle Umsetzung voll und ganz zu frieden.

Filmwelt vs Realität

Wenn man nun nach Kyoto reist um das Kyoto aus dem Film zu entdecken, wird man bitter enttäuscht. Nicht umsonst haben die Macher des Films damals nach einer Recherchereise das komplette Viertel Gion in Kalifornien (…) aufgebaut. Vom ursprünglichen Geisha-Viertel findet man in Kyoto nur noch wenige Gassen und selbst die lassen kaum noch das ursprüngliche Aussehen erahnen. Obwohl die Blütezeit der Geishas geschichtlich gesehen noch gar nicht so lange her ist, war Japan, gerade architektonisch, schon immer  im stetigen Wandel. Gion ist nur noch ein Schatten einer vergangenen Ära, selbst die wenigen „historischen“ Gassen lassen kaum noch den Charme vergangener Tage erahnen.

All das war mir allerdings schon (hier kommt die stets gut informierte Planerin in mir durch) vor der Reise bewusst und so überraschte mit der Anblick nicht sonderlich. Genauer gesagt war ich sogar positiv überrascht, immerhin sind wir zumindest ein paar echten Maikos – Geishas in Ausbildung – über den Weg gelaufen. Was angesichts der mit jedem Jahr sinkenden Zahlen schon ein kleines Wunder war.

Die Szene, die sich mir in Memoirs of a Geisha aber wirklich eingebrannt hatte, war eine andere. Es war jene Szene, in der Chiyo durch einen schier endlosen Tunnel Torii (die für Japan so charakteristischen roten Tore, die den Eingang zu Shinto-Schreinen markieren) läuft. Diese Szene wurde sowohl an einem Wendepunkt der Geschichte als auch am Ende verwendet und hat mich zutiefst beeindruckt. Ich liebte diese Szenen.
Kurz nach meinem Kinobesuch wusste ich es noch nicht, aber dieser Ort existiert wirklich: diese Torii gehören zum Fushimi Inari-Taisha, einem Schrein auf einem Hügel in Kyoto.

Umso aufgeregter war ich, also ich feststellte, dass auch wir diesen Ort während unserer Zeit in Japan besuchen würden können. Memoirs of a Geisha kam  (!) immerhin 2005 in die Kinos und quasi seit diesem Tag hatte dieser Ort mich in den Bann geschlagen.

Fushimi Inari-Taisha – oder: der Kampf mit chinesischen Touristenmassen

Dann stand ich dort, in Kyoto, am andern Ende der Welt. In Mitten abartig schwüler Hitze. Vor mir schier endlos aneinander gereiht rote Torii, die sich den Berg hinauf schlängeln und durch die man angeblich einen guten Tag wandern könnte.
Und musste mal wieder feststellen: Realität und Vorstellung kollidieren mitunter erheblich.
Natürlich war dieser Ort faszinierend. Natürlich sah er mehr oder weniger genauso aus wie im Film gezeigt.
Nur hatte das Produktionsteam selbstverständlich weder mit Schulklassen noch Massen an chinesischen Touristen zu kämpfen. Ich habe während meiner gesamten Zeit in Japan an keinem Ort derartige Menschenmassen gesehen. Man schob sich quasi durch den Tunnel der Torii.
Ein erhebendes Gefühl? Gar Ruhe und tierempfundene Freude über das endlich Dortsein? Fehlanzeige.

Nach wenigen Minuten war eigentlich alles was ich wollte ein einziges Foto ohne Tourist. Wenigstens eines, dass den Ort so zeigte wie ich ihn mir vorgestellt und all die Jahre im Kopf hatte.

Ein Glück für mich, dass weder chinesische Touristen noch Schüler sonderlich viel Durchhaltevermögen an den Tag legen, wenn es um das Erklimmen eines „Berges“ geht. Ich musste nur lange genug den Hügel hinauf laufen. Irgendwann lies ich die Menschenmassen hinter mir…
Und hatte doch noch meinen Memoirs of a Geisha Moment; ganz für mich allein.

Die Szene

Die Szenen, auf die ich mich beziehe, beginnen übrigens ab 3:03.
Den Rest darf man getrost überspringen, man muss nämlich eines sagen: trotz aller Schönheit des Films, haben die meisten Schauspieler nur phonetisch und ohne weitere Kenntnisse Englisch gesprochen. Hier kann man getrost zur deutschen Synchronisation greifen, ohne etwas zu verpassen!
Kürzere Szenenschnipsel in entsprechender Qualität findet man auf YouTube leider nicht.

PS: Übrigens habe ich schon öfter gelesen, dass die Leute glauben einige der Szenen wären am PC nachbearbeitet worden, da Torii – typisch Japan – von Personen, Familien oder Unternehmen gespendet werden und sich daher an jedem Tor entsprechende Schriftzeichen befinden. In einigen Szenen sind diese allerdings im Film nicht zu sehen. Was sich meiner Meinung nach aber genauso leicht damit erklären lässt, dass die Schrift immer auf der gleichen Seite des Tors angebracht wird. Je nach Perspektive sieht man diese also – oder eben nicht. Wofür auch spricht, dass Chiyo, in jenen Szenen in die man die Schrift nicht sieht, bergab läuft. Geht man den Hügel hinauf, sieht man die Schriftzeichen.

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  1. Ich hatte mir damals das Buch auf einem Rückflug von Neuseeland nach Deutschland gekauft und es fast in einem Stück durchgelesen :) Der Film war wirklich schön umgesetzt. Dass solche Verfilmungen oft nicht ans Original heranreichen, ist ja leider oft so. Aber toll, dass es so einen Schrein wirklich gibt.
    Christina | https://caliope-couture.com

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  2. Ein schöner Post – Ich hatte damals zu aller erst das Buch gelesen und das hatte mich wirklich in den Bann gezogen. Erst relativ spät habe ich den Film dazu gesehen, aber auch der hat einen in die Welt der Geishas entführt. Zu dieser Zeit hatte ich alle möglichen Bücher über Geishas verschlungen und konnte einfach nicht genug bekommen. Höchste Zeit den Film mal wieder anzusehen – Du hast mir jetzt richtig Lust gemacht :) Was mich vor allem begeistert ist, dass du bereits in Kyoto warst und dir das alles aus der Nähe ansehen konntest. :) Japan steht auch noch ganz weit oben auf meiner Reiseliste.
    Liebste Grüße,
    Stephanie

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  3. Anna

    5. April 2016 um 12:54 Uhr

    Oh wie schön. Einer meiner Lieblingsfilme. Die Darsteller, die Kulisse, die Geschichte – da stimmt einfach alles. Ich schaue „die Geisha“ immer wieder an und sie verzaubert mich jedes Mal aufs Neue, obwohl ich die Dialoge mitterlweile mitsprechen kann. ;) Den Roman mag ich auch sehr gerne – vor allem, da er die Geschichte ja gewissermaßen bis zum Ende erzählt. Und ich gestehe, dass der Film bei mir auch für ein leicht verklärtes Japan-Bild verantwortlich ist. ;)

    Herzliche Grüße,
    Anna
    (die von Ela hierher gehüpft ist)

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  4. Wie schön, dass du den Memoirs of a Geisha Moment doch noch für dich alleine hattest :-)

    Liebe Grüße Kristina von KDSecret

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  5. Lexi

    4. April 2016 um 16:38 Uhr

    Wie lange habe ich schon nicht mehr an diesen Film gedacht, ich musste gerade überlegen ob ich ihn gesehen hatte oder nicht. Ich fand den Film auch sehr gut und ich kann mir gut vorstellen warum er dich fasziniert. Das Buch habe ich allerdings leider noch nicht gelesen.

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  6. Hallo Christine,
    das ist ein wirklich interessanter Beitrag von dir. Japan ist ein faszinierendes Land. Ich habe den Film auch gesehen – und davor den Roman verschlungen. Eine sehr schöne Geschichte, die auch filmisch super umgesetzt wurde. Das muss ein tolles Gefühl sein, wenn man die Orte aus einem seiner liebsten Filme selbst live besuchen kann!
    Liebe Grüße,
    Alex

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  7. Mai

    4. April 2016 um 10:12 Uhr

    Sehr schön beschrieben, den Film habe ich selbst noch nie gesehen oder jemals davon gehört.
    Die Szene empfinde ich als ziemlich schön und harmonisch, die Gänge wo sie hindurch rennt – wow. Ich will ja nach wie vor mal meinen Urlaub in Japan verbringen, immer wenn ich deine Posts dazu lese bin ich neidisch. Toller Bericht, schade dass die Realität immer etwas anders aussieht.
    Liebe Grüße,
    Mai von Monpipit.de

    xox

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  8. Cyra

    3. April 2016 um 3:21 Uhr

    Die Szene ist echt toll !

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  9. Rahel

    2. April 2016 um 21:40 Uhr

    Tolle Szene :)! Habe, ohne deinen Blogeintrag bereits gesehen zu haben, auch ein paar rote Tore gepostet.. (jedoch die „Schweizer light Version“ davon). Lustiges Timing ;D!
    Danke für den Ausflugstipp, werd ich mir merken, inklusive Bergtraining ;)! Mich würde jetzt natürlich noch das touristenfreie Foto wundernehmen…

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  10. krissisophie

    2. April 2016 um 13:40 Uhr

    Das Buch/den Film kenne ich gar nicht. Würdest du ihn denn empfehlen? Oder magst du nur diese Szene? :)

    Ganz liebe Grüße,
    Krissi von the marquise diamond
    http://themarquisediamond.de/

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  11. Rena

    1. April 2016 um 22:58 Uhr

    Genial, dass diese Szene praktisch der Anlass war, dass Ihr voriges Jahr nach Japan gereist seid! Danke für Deine ehrliche Beschreibung, wie Du die Realität empfunden hast – ich denke, auch wenn die Realität und Vorstellung auseinander klaffen verbindet sie doch unser Gefühl.
    Liebe Grüße von Rena
    http://www.dressedwithsoul.com

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  12. Martina

    1. April 2016 um 20:34 Uhr

    Ich liebe diesen Film. Diese Szene habe ich schon so lange nicht mehr gesehen. Jetzt muss ich mir wieder mal den Film ansehen. Einfach so schön :)

    Liebe Grüße Martina
    http://www.kleidsam.org

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