Über den nicht vorhandenen Alltag


Viele von euch haben sich eine Post über meinen typischen Alltag gewünscht.
Euer Wunsch sei mir Befehl.

Nun ist es jedoch einfach so, dass ich keinen typischen Alltag habe. Jedes Shooting hat ein anderes Thema, man arbeitet mit anderen Leuten zusammen und die ganze Situation ist eine komplett andere. Wer sich trotzdem etwas mehr für meine eigentlichen Shootings interessiert, dem kann ich nur das Stöbern auf meinem Blog nahe legen, ich habe nämlich schon wirklich viele Posts mit Making-of Geschichten gebloggt (zum Beispiel hier oder hier).

Allerdings haben die meisten Menschen einfach eine ganz falsche Vorstellung davon, wie mein Arbeitsalltag wirklich aussieht bzw. wie viel davon eigentlich aus Fotografieren besteht. Denn abseits der Shootings, sieht mein augenscheinlich so abenteuerlicher Alltag gleich ganz anders aus.

Um das mal zu verdeutlichen habe ich eine kleine Grafik (hihi… wie in guten alten Schulzeiten… fehlt nur noch eine dazu passende Powerpoint Präsentation und ein ergänzendes Handout) erstellt. Ich schätze das bringt die Sache recht gut auf den Punkt.

(Ich habe eine ähnliche mal vor einiger Zeit in den Weiten des Internets gesehen, mir damals allerdings nicht gemerkt wo… na ja, jetzt passt sie auf jeden Fall genau zu meinem Alltag)

Nicht, dass mich jetzt jemand falsch versteht: ich liebe was ich tue!
Allerdings verbringe ich leider die wenigste Zeit wirklich beim Fotografieren. Ich schätze da spreche ich für alle Fotografen: wir leben für Shootingtage! Und diese sind dann auch wirklich lustig und abenteuerlich und so spannend wie alle glauben. Aber auch anstrengender und zeitintensiver als die meisten vermuten.

Letztlich hat man jedoch nun mal einfach nicht so viele Shootingtage wie alle denken.

Ich bin selbstständig und eine Ein-Frau-Unternehmen. Damit ein Shooting stattfinden kann, muss ich erst mal alles organisieren. Von Model bis zu Kleidern bis zum Visagisten. Je nach Auftrag mal mehr, mal weniger Leute buchen. Man muss sich entscheiden, wer wohl am besten zum Team und dem Auftrag passt (und im vorgegeben Zeitraum auch Zeit hat).
Das Shooting braucht ein Konzept und alle Beteiligten müssen wissen, was sie zu tun haben (welcher Stil bei Haare und Make-up gewünscht wird usw.).
Und wenn dann alle wirklich am Set angekommen sind, das Shooting stattfand und wir möglichst zufrieden mit dem Ergebnis sind, geht ja der Bilderkampf erst los.
Man verbringt wesentlich mehr Zeit mit den Fotos und Photoshop als beim eigentlichen Shooting.

Eine Auswahl muss getroffen werden (und dabei muss man je nach Auftrag auch darauf achten, dass wirklich jedes Outfit zu sehen ist, gewisse Details, wie Make-up oder der Schmuck oder ein Accessoire, auf manchen Fotos in den Fokus rücken etc.pp), die Haut bearbeitet (meist die zeitraubendste Aufgabe dabei) und ein Farbschema für die Strecke gefunden werden. Nicht zu vergessen, dass natürlich bei diesem Schritt auch „Fehler“ wie unbemerkt verwischtes Make-up, seltsame Kleiderfalten usw. ausgebessert werden müssen.

Und ach, was man natürlich nicht verachten darf: man braucht selbstverständlich auch erst mal einen Kunden, der einen überhaupt als Fotografin bucht.

Dafür sollte man dann seine Homepage mit aktueller Arbeit füllen, Eigenwerbung betreiben, mit den Leuten in Kontakt und hartnäckig bleiben…

Und wenn man dann Anfragen hat, muss man sich natürlich hinsetzten und Mails beantworten, Shootings kalkulieren (immer der schwierigste Punkt; meiner Meinung nach), Angebote schreiben und auf hoffentlich positive Antworten hoffen.

(Wobei man sich schnell daran gewöhnen muss, dass Interesse nicht gleichbedeutend mit einem Auftrag ist – eine der ersten Lektionen im Leben als Selbstständiger)

Man hat also kurz gesagt jede Menge zu tun, was nichts mit dem Fotografieren zu tun hat.

Ich habe natürlich den Vorteil, dass ich mir meinen Tag relativ frei einteilen kann und mein eigener Chef bin. Wann ich mein Handy in die Hand nehme oder wann ich was mache bleibt (zumindest größtenteils, wobei es halt dringende und weniger dringende Sachen gibt) mir überlassen.
Aber zur Prokrastination und zum Partyleben braucht man trotzdem nicht neigen, da wird das nämlich nix mit der Selbstständigkeit. Wenn ich mir frei nehme, mag das meine Sache sein, aber dabei bleibt die Arbeit liegen.
Ich könnte einfach so beschließen für heute Feierabend zu machen, allerdings werde ich dann am Wochenende länger arbeiten. Und, das sollte vielleicht mal erwähnt werden, dass tue ich eigentlich eh so gut wie immer.

Ich denke, da spreche ich wieder für alle Selbstständigen da draußen: niemand könnte das tun was wir machen, wenn wir nicht absolut dahinter stehen und das was wir tun nicht wirklich lieben würden. Aber nur weil wir in unserem Traumberuf arbeiten, wird nicht alles automatisch zum Vergnügen. Wir machen nur all das was getan werden muss, für jene wirklich einfach perfekten (Shooting-) Tage, an die wir uns noch ewig erinnern werden und wegen denen wir diesen Weg gewählt haben.

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  1. Anna

    9. Dezember 2014 um 16:47 Uhr

    Sehr interessant – die Infografiken sind auch super, da sieht man wirklich wie viel Zeit für anderes als das Fotografieren draufgeht. Eigentlich habe ich da auch noch nie so drüber nachgedacht, aber es ist ja eigentlich klar, dass man nur durchs Fotos machen allein wohl keinen so großen Erfolg haben kann (vor allem längerfristig).

    Antworten
  2. Hanna

    1. Dezember 2014 um 18:36 Uhr

    Ein wirklich sehr interessanter Post!<3 Toll, geschrieben!

    Alles Liebe
    Hanna

    Antworten
  3. Das kann ich mir sehr gut vorstellen, dass sich bei diesem beruf nicht alles nur ums fotografieren dreht, da hat man sicher noch jede menge anderen kram zu tun :D Aber echt cool wenn man sein eigener Chef ist, so kann man sich echt super die zeit selbst einteilen wann man was macht! :)

    Antworten
  4. Talkasia

    25. November 2014 um 22:11 Uhr

    Uiuiuii – der Orga & Papierkram ist wahrscheinlich auch das, was am meisten Kosten verursacht.. also überall meine ich :D Auch bei Unternehmen undso – je mehr man eigentlich seiner Kerntätigkeit nachgehen will – so wie du mit dem fotografieren, desto mehr wird der ganze Verwaltungs & Orgakram Q__________Q

    Ich find das immer so krass, wenn jemand selbstständig ist und dann quasi alles können muss und immer uptodate auch in bereichen, die nicht primär deine tätigkeit sind Q_Q also so buchhaltungskram, rechtlichen kram etc

    Antworten
  5. Paleica

    25. November 2014 um 10:07 Uhr

    das stimmt :) aber der herbst ist sowieso was schönes, mit ausnahme dieser grauen zwischen-zeit zwischen bunten blättern und leuchtendem advent.

    ich finde das super, wenn man so einen plan hat. ich hatte irgendwie auch mal einen, habe den aber aufgrund von mangelndem selbstvertrauen nicht verfolgt. tja, ist halt so. alles hat vor- und nachteile! und man wird eh sehen, wo das leben einen hintreibt…

    ich bin jetzt schon in weihnachtsstimmung, es ist mittlerweile kalt und grau und in wien kann man da eh nicht anders als mitgerissen werden ^.^ ich sollte die sache mit den weihnachtsgeschenken langsam endlich zu einem abschluss bringen. das, was noch offen ist, ist halt anstrengend, unsicher oder aufwändig ;)

    ja das ist eine gute frage ;) ich weiß es eben nicht so genau und müsste da mal nachschauen bzw. nachfragen. auf der kamera steht es ja glaub ich nicht und es gibt ja doch einige verschiedene modelle. es dürfte so ein ganz typisches 80er-jahre-ding sein, schwarzes kästchen, zum aufklappen. wie man es kennt.

    ich wünsche mir zu weihanchten jetzt die panem-bücher, werde sie aber erst nach dem 4. teil lesen. zumindest das 3. buch ;)

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  6. Huhu :)
    Danke für die Infos, dann werde ich, wenn ich wieder zu Hause bin (Weihnachten) nach der alten, lieben Kamera in den 1000 Umzugskartons kramen und herausfinden, welche Fotos ich bestellen muss :) Dann versuch ich das einfach noch mal bei theimpossibleproject. Klar werde dir gerne ein paar Ergebnisse zeigen :) Nur leider wird das dann wohl erst im neuen Jahr was… liebe Grüße, Maya

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  7. ein total interessanter Post! Finde so einen "Blick hinter die Kulissen" immer super spannend, danke für den tollen Beitrag! Und Amsterdam müsst ihr unbedingt nachholen, dass lohnt sich auf jeden Fall!

    <3, Kathrin
    http://www.getcarriedaway.net/

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  8. Anki

    24. November 2014 um 7:44 Uhr

    Huhu, ich kann dir nur voll und ganz zustimmen!! Das Diagramm ist große Klasse! :D
    Das Interesse nicht gleich ein Auftrag ist, habe ich auch ziemlich schnell zu spüren bekommen. Am Anfang hat mich das immer sehr verunsichert, mittlerweile mache ich mir da aber zum Glück nichts mehr draus.. :D

    Ich hoffe, der Spaß als Fotografin bleibt dir trotzdem noch ein bisschen erhalten :)

    Liebe Grüße
    Anki

    Antworten
  9. Lexi

    24. November 2014 um 5:02 Uhr

    Aber hoffentlich trotzdem auch Spaß haben! Es ist ja typisch dass die Leute ungern hinter die Fassade schauen und wirklich wissen wollen wie viel Arbeit hinter einem Foto steckt. Manchmal ist man ja auch Stunden unterwegs macht 100 Fotos um dann 1 perfektes zu präsentieren!
    Mein Respekt für all die Arbeit die du da alleine stemmst und ich finde es lohnt sich zu 100%.Deine Arbeit ist wirklich fabelhaft!

    Antworten