Aus dem Nähkästchen geplaudert…

Models sind nur Kleiderständer.

Grr.

Na, ist das nicht einer der meist gehörtesten Sätze der Branche?
Oder sagen wir lieber: so ein durch TV und Zeitschriften geprägtes Klischee, von dem jeder schon mal gehört hat?

Okay Leute, machen wir uns nichts vor:
wenn ein Model für einen Job gebucht wird, wird sie dafür gebucht, weil sie der Idee des Designers, des Fotografen und des Teams entspricht und nicht etwa nach ihrem persönlichen Geschmack gefragt.

Es wird also Shootings geben, bei denen ihr das Konzept gefällt, wo sie sich mit dem Thema identifizieren kann und die ihr Spaß machen.

Aber das genaue Gegenteil wird auch hin und wieder der Fall sein und während sie vor der Kamera steht wird sie sich fragen: was wollt ihr eigentlich damit bezwecken?

Im besten Fall rettet sich sie an solchen Tagen durch ihre Professionalität, aber es gibt natürlich auch andere Beispiele.
Über die Klamotten noch am Set lästern und am besten noch die Arbeit des Make-up Artists (oder noch besser: gar selbst Hand anlegen wollen? Weil man ja selbst am besten weiß wie man sich die Wimpern tuscht…) in Frage stellen? Sehr gute Idee!
Zumindest wenn man sich möglichst schnell selbst ins Abseits schießen möchte.

Das bedeutet nicht, dass das Model so bald sie das Studio betrifft zu willenlosen Puppe mutieren soll und nicht ihre Meinung äußern darf. Nein. Aber es wird Dinge geben, die einfach nicht drin sind.

Wenn das Shooting einen natürlichen (werfen wir doch mal mit einer paar gängigen Ausdrücken durch die Gegend: Nude) Look erfordert, passen dazu nun mal keine tiefschwarzen Smokey-Eyes mit Cateye-Lidstrich. Da kann sich das Model noch so sehr ohne betonte Augen nicht gefallen.

Aber trotzdem: ein Model ist nie nur hübsches Beiwerk, ein Kleiderständer der möglichst willenlos präsentieren soll, was einem da angezogen wird.
Nein. Die wirklich guten Models bringen sich IMMER auch selbst ein. Sich und ihre Persönlichkeit.

Man könnte das komplett gleiche Set, das gleiche Make-up und das gleiche Styling nehmen und würde trotzdem zwei ganz unterschiedliche Ergebnisse mit zwei verschiedenen Models erhalten. Aber eben nur, wenn das Model halt nicht nur Kleiderständer ist.

Genau wie ich gebucht werde, weil dem Kunden mein Stil, meine Art der Fotografie oder mein Blick auf die Dinge gefällt, entscheide ich mich für jemanden, weil ich sehen möchte, wie dieser Mensch vor der Kamera sein wird. Und nicht, weil ich gerne hätte, dass sie all diese Posen und Dinge kopiert, die man schon zig Mal gesehen hat.

Deswegen nervt mich dieser Satz so sehr.
Diese Branche ist hart, keine Frage. Und niemand leidet so sehr unter den Ansprüchen, Maßen und Vorstellungen wie Models. Bei niemanden wird so krass gecastet und aussortiert und manchmal ist das alles wohl nicht mehr als eine reine Fleischbeschau.

Aber Models nur als Kleiderständer zu bezeichnen ist ziemlich naiv. Die Guten, diejenigen die es weiter bringen und Erfolg haben, werden nie nur Modepüppchen sein.

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  1. Mara

    6. Oktober 2014 um 8:47 Uhr

    Shrimps konnte ich auch ewig nicht leiden, aber in den letzten Monaten habe ich mich irgendwie überwunden und liebe sie jetzt! :D

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  2. Anni

    5. Oktober 2014 um 9:25 Uhr

    Toller Beitrag :) Ich finde auch, dass einige Models unterschätzt und als Kleiderständer abgetan werden. Im Gegenzug dazu gibt es aber auch mehr als genügend Models, die ihren Beruf nicht in seinen Grenzen verstehen denke ich. Natürlich geht es beim Modeln wie auch beim Fotografieren um das Darstellen der eigenen Kreativität, aber dafür gibt es eben auch FREIE Projekte. Sowohl der Fotograf als auch der Make Up Artist etc. sind ja wenn es um Bezahlung geht dafür da, professionell den Kunden zu vertreten und manchmal denke ich vergessen die Models das und fühlen sich dann eingeschränkt obwohl es eigentlich die Arbeit ist, die sie gewählt haben. Ich bewerbe mich ja auch nicht als Lektor wenn ich eigentlich das Buch schreiben will… Das trifft natürlich aber nicht auf alle Models zu, nicht, dass das hier falsch verstanden wird :)

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