Eine Erkältung ist eine Erkältung ist eine Erkältung…

Seit damals war ich schon erkältet. So ungefähr ein Mal im Jahr – zum Glück nicht öfter – und immer ungefähr um diese Jahreszeit herum, bekomme ich meinen Mörderschnupfen. Was zunächst mit Halsweh anfängt – was ich allerdings mit Hausmitteln (Gurgeln! Das hilft bei mir wie nichts anderes) super schnell in den Griff bekomme, endet nach einer kurzen Verschnaufpause, in der ich stets trotz besseren Wissens die Hoffnung hege doch darum herum zu kommen, mit triefender Nase. Wenn ich Pech habe, was dieses Mal der Fall ist, aber bei weitem nicht immer, gesellt sich gegen Ende noch ein Husten dazu (der stets Pläne in mir weckt, es doch mal mit einer Erotikhotline zu versuchen. Die sexy Reibeisenstimme dafür habe ich definitiv und vielleicht findet irgendwer das gelegentliche Husten dazwischen sogar erotisch?!). Eine ganz klassische Erkältung eben.

Nicht ganz. Denn ich hege schon seit Jahren die Vermutung – eine, die meine Familie für ziemlich wahrscheinlich hält; immerhin läuft das bei denen (haha, im wahrsten Sinne des Wortes) so nicht ab – dass ich etwas mehr Schnupfen habe als andere. Was sich da bei mir an Tempoverbrauch, Niesen und laufender Nase abspielt, hat schon fast komische Züge. Und übertrifft das, was ich bei anderen mit Schnupfen bisher so erlebt habe…

Nun gut, man fängt sich halt mal was ein. Nachdem ich mich in Schottland selbst auf engsten Raum und bei all der Kälte und Nässe nicht angesteckt hatte, war es nun eben zu viel, dass nach und nach die ganze Familie am kränkeln war.

Doch auf einmal war sie da. Kam aus dem Nichts. Und an einem Nachmittag, an dem nichts weiter vorgefallen und ich eigentlich schon auf dem Weg der Besserung und am Arbeiten war. Da war sie wieder. Die alte Angst.

Die, die ich eigentlich schon abgehakt glaubte; hinter mir gelassen hatte. Die mir lange Zeit im Nacken saß, gegen die ich mich irgendwann gewehrt und die ich aufgearbeitet hatte. Glaubte ich.

„Kein Wunder; du hast ja auch genug mitgemacht.“, sagte meine Mama, als ich am Küchentisch von einem Moment auf den nächsten in Tränen ausgebrochen bin und mich selbst als ein bisschen kindisch und melodramatisch bezeichnet habe. Denn: mir ist natürlich klar, dass ich einfach nur eine Erkältung habe. Eine, wie gefühlt halb Deutschland; zu einer Zeit, in der das nicht weiter verwunderlich ist und eine, die ja noch nicht mal länger andauern oder anders verlaufen würde, als man es von so einer Erkältung zu erwarten hat.

Nur hat Angst wenig mit Vernunft zu tun und nur weil man etwas in der Theorie weiß, heißt das noch lange nicht, dass sie nicht trotzdem da ist. Diese Angst.

Angst vor dem Kranksein, dem Krankbleiben, dem ewigen schwach und nicht man selbst sein. Bei jedem Ziepen zu fürchten wieder dorthin zu kommen wo man schon mal war; völlig am Ende. Angst davor noch einmal zu verlieren, was man schon verloren hatte. Bevor man überhaupt wieder der ist, der man war. Was man sowieso nie mehr sein wird. Was gut ist und wieder doch nicht. Weil man auf dem Weg etwas verloren hat, was es nicht mehr zurück gibt, wenn man einmal dort war. Unbeschwertheit. Ein bisschen Urvertrauen.

Ich dachte ich hätte das hinter mir gelassen, der Angst auf Wiedersehen gesagt. Sie zugelassen und verabschiedet als es an der Zeit war. Und dennoch. Da ist sie wieder. Ich habe es schon eine ganze Weile lang gespürt. Diese alte Unsicherheit, die wieder aufgebrochen war. Vielleicht habe ich mir nur etwas vorgemacht; sie zur Seite gedrängt, und sie ignoriert. Genug zu tun gab es ja; da fiel es mir leicht ihr nicht zuzuhören, sie wegzuschieben.

Vielleicht muss ich auch akzeptieren, dass sie immer wieder kommen wird. In unruhigen Wellen, die sich auch wieder zurück ziehen werden, sobald es an der Zeit dazu ist. Jede Welle ein bisschen schwächer als die letzte…

Ich weiß, auch dieses Mal wird sie wieder verschwinden. Mein irrationale, lächerliche Angst. Ausgelöst durch eine noch lächerlichere Erkältung.

Die Angst stand immer neben mir. Aber gerade sitzt sie mir im Nacken.

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  1. Ich hoffe, dass es dir inzwischen wieder besser geht und du deine Erkältung überwunden hast und noch viel mehr die Angst deswegen. Aber wie das dann manchmal so ist, erwischt es einen dann doch ganz ungeplant und dann muss man halt wieder erneut damit fertig werden. Deine Angst kann ich ziemlich gut nachvollziehen, wenn auch auf einer anderen Basis gefußt. Und manchmal ist es einfach echt zum Kotzen, aber mit jedem Mal wird es ein bisschen besser. Lass dich nicht unterkriegen. Ich wünsche dir viel Kraft und gute Besserung. Fühl dich gedrückt!

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  2. „Angst vor dem Kranksein, dem Krankbleiben, dem ewigen schwach und nicht man selbst sein. Bei jedem Ziepen zu fürchten wieder dorthin zu kommen wo man schon mal war; völlig am Ende. Angst davor noch einmal zu verlieren, was man schon verloren hatte. Bevor man überhaupt wieder der ist, der man war. Was man sowieso nie mehr sein wird. Was gut ist und wieder doch nicht. Weil man auf dem Weg etwas verloren hat, was es nicht mehr zurück gibt, wenn man einmal dort war. Unbeschwertheit. Ein bisschen Urvertrauen.“

    Krass, Christine, diese Worte haben gerade echt Gänsehaut bei mir ausgelöst! Weil sie einfach genau treffen, was ich gerade fühle. Bin seit einem halben Jahr dabei, eine zwar nicht wirklich gefährliche aber extrem nervige und dadurch auch belastende Krankheit auszuheilen…es ist ein ständiges Auf-und Ab, aber die Angst bleibt immer im Hinterkopf. Wenn es mir gut geht, habe ich Angst, dass es wieder schlechter wird und wenn es mir schlecht geht habe ich Angst, dass es nie wieder aufhört. Sehr sinnvoll natürlich.
    Ich hoffe, dass du es schaffst deine irrationalen Ängste loszuwerden. Daran arbeite ich auch gerade. Wenn ich irgendwelche Tipps habe, sage ich dir bescheid. Im Moment bin ich aber selber ziemlich am strugglen :D
    Ich wünsche dir eine wunderschönen 1. Adventskalender Tag und natürlich GAANZ viel Gesundheit!
    Es wird alles gut!
    Liebst,
    Pia
    vielleicht wird alles vielleichter

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  3. Babsi

    27. November 2017 um 20:09 Uhr

    Auweia, du Arme! Ich kenne das von meinem Lebensgefährten, der aufgrund von verschiedensten Allergien auch ständig wirkt, als hätte er Schnupfen. Zwar nicht so heftig, dass er wirklich hohen Taschentuchverbrauch hätte, aber er niest viel und hat fast ununterbrochen eine verstopfte Nase… :/ Ich drücke dir jedenfalls die Daumen, dass da nichts allzu Ernstes ausbricht.

    PS: Du liest gerade Origin? Wie findest du es? Ich mag Dan Brown ja total. Klasse Autor!

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