Personal
Alle Jahre wieder – aber nicht wie immer

Hauptsache alle zusammen
Alle Jahre wieder feiner wir unser Weihnachtsfest auf eine ganz bestimmte Weise. Aber dieses Jahr ist etwas anders.
So lange ich denken kann, lief unser Weihnachtsfest gleich ab. Mein ganzes Leben lang, waren die Abläufe und Rituale – zum großen Teil sogar das Essen – die gleichen.
Natürlich wurde irgendwann aus dem gestohlenen Weihnachtsbaum aus dem Wald ein gekaufter Baum. Dann sogar ein künstlicher. Und es gesellten sich im Laufe der Jahre neue Familienmitglieder hinzu; aber diese Art der Veränderung lässt höchstens den Platz am Tisch schrumpfen und macht Weihnachten nur noch bunter und lustiger, anstatt Wehmut aufkommen zu lassen.
Wir alle – manche sogar beinahe doppelt so lange wie ich – hatten also das große Glück, dass sich an unseren Traditionen nichts ändern musste.
Einer der Sätze, der bei uns jedes Weihnachten am Essentisch fiel war: Hauptsache wir sind wieder alle gesund zusammengekommen.
Egal, was in diesem Jahr passiert war; ob mehr gute, als schlechte Dinge (oder anders herum) geschehen waren, wir gerade eher stritten und es Konflikte – überwindbare oder unüberwindliche – gab oder alles einfach friedlich war, an diesem Tag kamen wir zusammen und es herrschte die Überzeugung, dass das gut so war.
Aber dieses Jahr sitzen eben nicht alle an ihrem Platz und ein Stuhl bleibt leer.
Vor ein paar Wochen starb mein Opa.
Und so schnell wird aus „Alle Jahre wieder“, ein „nicht wie immer“.



Wie immer und doch nicht wie immer
Es ist seltsam darüber nachzudenken, dass an diesem Weihnachten eben nicht alle wie immer am Tisch sitzen werden.
Das ganze Konzept fühlt sich noch recht abstrakt an. Ich habe rein theoretisch verstanden, dass mein Opa verstorben ist und wir auf einer Beerdigung waren, aber so ganz will es nicht in meinem Kopf, dass dieser Mensch nicht mehr da ist.
Geht jemand, zieht das für eine Familie einen ganzen Rattenschwanz an Emotionen mit sich. Da ist natürlich das Offensichtliche: die Trauer, der Verlust, die Veränderung, in die man gezwungen wird und über die man keinerlei Kontrolle hat. Für manche mag es auch die Plötzlichkeit und das Unerwartete sein, die schockiert; vielleicht auch – und jeder hofft, dass man davon verschont bleibt – die Grausamkeit am Ende.
Aber abseits davon, gibt es eine ganze Menge, was durch einen Tod aufgewühlt und wachgerüttelt wird. Das Sterben eines Familienmitglieds macht einem bewusst, dass der Tot tatsächlich zum Leben gehört – und das nicht nur eine Floskel ist, mit der man sich irgendwann einmal in weiter Zukunft auseinander setzt. Das rüttelt Ängste und Sorgen auf, rückt viele Dinge aber auch in eine andere Perspektive.
Mein Opa war nicht der einfachste Mensch und ich hätte mir gewünscht, ich hätte eine andere Seite von ihm kennengelernt. Die, die Rekorde aufgestellt, eine Firma aus dem Boden gestampft hat und ziemlich viele Ideen hatte. Eigenschaften, von denen ich mir manchmal mehr wünsche, hatte er zur Genüge.
Aber das ändert nicht daran, dass viel Gutes in meinem Leben ohne ihn nicht existieren würde. Wie wir wohnen, wie ich arbeite – teilweise in seinem alten Büro und verrückterweise in einem Beruf, den er gerne ausgeübt hätte; etwas, was ich erst viel später erfahren hatte – da steckt ziemlich viel von ihm und seinen Errungenschaften drin.
Und dafür bin ich ihm sehr dankbar. Das ist etwas, dass bleibt, auch wenn er nun nicht mehr hier ist.





Im Großen und Ganzen bin ich mehr als bereit 2025 gehen zu lassen. Und das ist ein Gedanke, der mich selbst überrascht. Egal was gerade los war, ob ich krank war oder wir gerade durch das Weltgeschehen komplett ausgebremst waren, irgendwie war immer so viel Gutes passiert, dass mir der Gedanke fremd war, ein Jahr verabschieden zu wollen.
Aber dieses Jahr ist es so weit und ich bin wirklich bereit dafür 2025 hinter mir zu lassen.
Dabei war es oft sogar ein tolles, gar grandioses Jahr – wenn es gut war, war dieses Jahr ziemlich gut. Aber in den schlechten Momenten leider auch richtig, richtig mies. Es war geprägt durch viele Sorgen und Schwierigkeiten. Vieles fühlte sich schwer und zäh an und wollte einfach nicht ins Rollen kommen.
Und daher bin ich jetzt auch mehr als Reif für eine Pause. Um im wahrsten Sinne des Wortes wieder Energie zu tanken. Die letzten Tage war die Luft und Kreativität wirklich mehr als raus und ich will einfach nur noch in diese eine Zeit im Jahr eintauchen in der keiner mehr weiß, welcher Wochentag nun eigentlich ist und wir stundenlang Brettspiele spielen (und uns irgendwann bei Catan anschreien, weil mein Papa einfach nicht verstehen will, dass man auch mal teilen muss).
Lesen so lange ich will, ausschlafen, vielleicht ein bisschen was sticken oder so und ins neue Jahr mit meinen engsten Leuten starten – das ist genau die Art von Pause, die ich dringend nötig habe.
Damit 2026 dann auch ein Jahr wird, in dem ich viel Tolles fotografiere, herumkomme und mehr Leichtigkeit verspüre, als es in diesem Jahr der Fall war.
Auf dass wir dann am Ende des Jahres wieder alle an einem Tisch sitzen und sagen: Hauptsache wir sind wieder alle gesund zusammen.
Frohe Weihnachten und ein schönes, neues Jahr!
Alle hier gezeigten Fotos sind letzten Winter auf 35mm und Kodak Porta 400 entstanden.
Hey,
erst einmal mein herzliches Beileid. Und danke für die tollen Bilder!
Komm gut in das neue Jahr, das hoffentlich viele schöne Momente für dich bereithalten wird!
Liebe Grüße!
Das tut mir sehr leid. Herzliches Beileid zum Verlust deines Opas. Es ist schwer, wenn ein Mensch geht und dann nicht mehr da ist. Gerade an Festtagen und zum Geburtstag tut das weh.
Ich wünsche dir für 2026, dass all deine Wünsche in Erfüllung gehen und dass es ein gutes Jahr wird.
Liebe Grüße
Sabine