Gedacht, gelesen und erlebt: Ein Osterwochenende am Königsee

Das mit dem Wegfahren an Ostern kann ja eine seltsame Sache sein. Einerseits ist es an Ostern in der Regel (das, was momentan an plötzlicher Winter/Schnee-Rückkehr über uns kommt, steht natürlich auf einem anderen Blatt…) nicht mehr richtig winterlich; Spaziergänge in romantisch, verschneiten Winterlandschaften erlebt man also weniger. Gleichzeitig ist es aber auch noch nicht so richtig Frühling – zumindest nicht auf alle-Bäume-sind-grün-Weise und die Natur wirkt darum trotz ein paar blühenden Kirschbäumen etwas trist und trostlos.

Wohn also fahren, wenn man nicht so richtig Lust auf einen Städtetrip hat und gerne Natur sehen möchte, obwohl man noch keine ambitionierteren Bergtouren angehen kann?

Die Sennerin vom Königsee…

… ist daran Schuld, warum sein Name schon jahrelang immer mal wieder in die Familienrunde geworfen wurde. Und dennoch hatten wir es nie geschafft. Zum Königsee. DEM See in Bayern, so wie es scheint. Diesem fjoardartigen, so tiefen und so sauberen See, dessen großer Pluspunkt bei der Planung war, dass er nur gut 180km von uns entfernt liegt.

180km, die sehr lang werden können. Vor allem, wenn ein Vater am Steuer sitzt, der aus Angst vor noch nicht mal entstandenen Staus (aber zäh fließender Verkehr könnte ja trotz nichts andeutendem Verkehrsfunk ein Zeichen sein!) schon mal gerne willkürlich Ausfahrten nimmt und auf Alternativrouten aus dem Navi hofft. Dem zu einem solchen Verhalten allerdings minutenlang auch nicht mehr als ein kleines Auto-Symbol, dass wild und offensichtlich keine Straßen und Grenzen mehr kennend, durch’s Nirgendwo schwebt, einfällt…

Und die Moral von der Geschichte: früher kannte man die Region nicht und fuhr eben in den vermeintlichen „Stau“ hinein. Um dann vielleicht festzustellen, dass dahin rollender Verkehr nicht gleich stundenlanges Festsitzen auf der Autobahn bedeuten muss und man sich eine halbe Stunde „sinnvollen“ Umweg (aka Herumirren…) erspart hat.

Kaum angekommen warteten allerdings schon die nächsten Herausforderungen auf meinen Papa: das Finden eines geeigneten Parkplatzes. Der muss Kriterien erfüllen, die ein gewöhnlicher Parkplatz nie alle aufweisen kann. Aber das ist ja ihm egal. Während wir da kurzen Prozess machen würden (Muss man da rückwärts einparken? Nein! – Passt also.), kurvt er schon mal gerne (bevorzugt wenn alle anderen ganz dringend mal aufs Klo müssten… drückt seine Blase, kann die Sache schon mal schneller voran gehen) gut und gerne eine Viertelstunde herum. Ist ja auch keine einfache Sache einen Platz zu finden, wo man nicht unter einem Baum und möglichst weit weg vom nächsten Auto steht und am besten niemand mehr neben einem Parken kann. Und kaum ist ein Platz erspäht, muss das Fahrwerk des Autos ja auch noch rauf und runter (ja liebe Frauen, ihr hört richtig…) gefahren werden. Sinn dahinter? Keiner. Hat sich halt ein Mann ausgedacht und erfunden. Und wenn ein Auto das kann, dann machen wir das eben auch. Punkt.

Manchmal tut mein Papa mir – mit all seinen nur schwer zu befriedigenden Zwängen – ja fast ein wenig leid…

Über Malerwinkel, Elektroboote und das Eiskapellen-Komplott

Einmal den passenden Parkplatz gefunden, zeigt sich einem allerdings recht schnell, warum der Königsee so berühmt und als lohnenswertes Ausflugsziel bekannt ist.

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Watzmann; Königsee; Berchtesgaden; Bayern; Deutschland

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St. Bartholomä; Watzmann; Königsee; Berchtesgaden; Bayern; Deutschland

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Watzmann; Berchtesgaden; Bayern; Deutschland

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St. Bartholomä; Königsee; Berchtesgaden; Bayern; Deutschland

Während wir am Tag unserer Ankunft zeitlich nur einen kleinen Rundweg zum Malerwinkel (der immerhin einen tollen ersten Eindruck vom See gibt) schafften, ging es dann am zweiten Tag mit dem Elektroboot (da hatte der Prinzregent Luitpold mal echt ne gute Idee; der wollte nämlich schon 1909 seine Ruhe haben… welche Weitsicht!) endlich zur Insel und der berühmten Wallfahrtskirche St. Bartholomä. Auf dem Weg gab’s für meine Mama noch das berühmte Echo – schon blöd, dass heute nicht mehr geschossen wird und man es gleich sieben Mal hören kann; so muss man sich mit einem oder manchmal auch zwei Echos zu frieden geben – für mich dann bei der Ankunft wieder eine Toilette. Man ist ja mit den keinen Dingen im Leben zu frieden.

Und mein Papa? Tja, der hatte offensichtlich großes vor. Mitgenommen hatte er vor allem eins: seinen neuen Selfie-Stick (wir erinnern uns noch an sein „Selfie“ aus Island?) für die GoPro und all die Anleitungen dazu. Seine GoPro hat er eigentlich schon jahrelang; auf eine Film- oder auch nur Fotovorführung warten wir allerdings bis heute. Muss wohl ein wahres Meisterwerk werden…

Weil uns der kleine Rundweg um die Insel herum ein wenig zu langweilig erschien (ist er auch… haben wir im Anschluss selbst getestet), machten wir uns auf dem Weg zu meinen – so glaubte ich zu diesem Zeitpunkt noch – Highlight des Tages: der Eiskapelle am Watzmann.

Nach einem gut einstündigem Aufstieg, waren wir jedoch etwas verblüfft. Das Internet und selbst all die Hinweistafeln vor Ort, hatten uns versichert, dass man dieses Loch im Eis ganzjährig und wirklich so gut wie immer vorfindet. Nie, niemals hätte ich also damit gerechnet, dieses im April schon nicht mehr zu sehen. In meiner grenzenlosen Naivität – und ich gebe zu: auch ein wenig aus Trotz – nahm ich natürlich an, wir wären zu dumm sie zu finden und hing sogar der dummen Idee nach, nur noch ein weiteres Geröllfeld hinter mich bringen zu müssen. Die paar Wanderer, denen wohl ähnliches durch den Kopf ging und weiter aufstiegen, taten ihr übriges. „Die kennen sich sicher aus und lachen über all die Touris, die zu früh umkehren!“, so dachte ich mir. Nachdem ich aber auch noch die letzte Steigung überwunden hatte, sah selbst ich ein, dass die Schilder wohl schlicht und ergreifend gelogen haben müssen.

Irgendwann kam mein Papa nur noch halb kriechend vorwärts und erreichte einen Abgrund (er musste ja noch kurz den Selfie-Stick zum Einsatz bringen und in die Tiefe fotografieren… Er deklariert diesen Unsinn natürlich als Beweis für mich; damit ich ihm auch wirklich glauben würde, dass weiter oben nichts mehr auf mich gewartet hat). Zu dem Zeitpunkt hatte mich schon einige Meter weiter unten die Vernunft wieder eingeholt und ich sah ein, dass die Schneezunge wohl alles sein würde, was ich von der „Eiskapelle“ sehen würde. Einen Müsli-Riegel später traten wir also den Rückweg zur Mama (die wohlweislich lieber gleich am Fuß geblieben war; die ist halt nicht so fotogeil wie wir…) an und warnten immerhin noch einen schwer keuchenden Japaner vor dem weiteren, sinnlosen Aufstieg. Er glaubte es uns nicht. Ich kann ihn verstehen; ich wollte es ja auch nicht wahrhaben!

Na ja… Wäre ich Teil der Verwaltung des Nationalparks, würde ich wohl auch jedem auf die Nase binden, dass diese Eiskapelle ganzjährig für jeden ganz einfach zu erreichen ist und mich ganz ruhig verhalten, sollte das eben doch nicht der Fall sein… Das Eiskapellen-Komplott!

Nichts desto trotz, war die Aussicht auf die Nebel verhangenen Steilwände des Watzmanns wirklich atemberaubend. Und hat mich immerhin ein bisschen mit den vergebenen Mühen versöhnt.

Vom König- zum Hintersee

Während wir die ersten beiden Tage in Berchtesgaden noch recht viel Glück mit dem Wetter hatten (es war zwar wechselhaft; allerdings trocken und teilweise sogar sonnig), verließ und dieses am Ostersonntag. Glücklicherweise beließ es das Wetter bis in den Nachmittag hinein bei Nieselregen und so konnten wir immerhin die kleine Wanderung zum Hintersee wagen.

Anfangs amüsierten wir uns noch ein wenig über den „Zauberwald“ durch den uns der Weg führte. Nicht lange allerdings. Wie sich herausstellte, war der Hinweg, an einem wilden Bach entlang und an Felsen und umgestürzten Bäumen vorbei, wirklich sehr schön. Und das sage ich – die Partnachklamm und Co. um die Ecke hat.

Hintersee; Ramsau; Bayern

Hintersee; Ramsau; Bayern Hintersee; Ramsau; Bayern

Der Hintersee selbst? Tja. Mal davon abgesehen, dass eine Straße direkt drum herum führt? Man die „berühmten“ Inseln, die man auf so vielen Fotos sieht erst mal suchen muss? Und sich an seinem Ufer eine Gasstädte nach der anderen reiht? Joa. Letztlich war es zwar eine sehr schöne Runde und hatte auch ein paar tolle Ecken zu bieten; eine etwas einsamere, wildere Lage hatte ich mir trotzdem vorgestellt! Aber ich bin vielleicht mit der Nähe zum Eibsee auch einfach etwas verwöhnt…

Gedacht, gelesen und erlebt – ein paar Tips

Gehört&gelesen: Der Königsee wird von Touristen überschwemmt.
Erlebt: Wahr! Ich möchte ehrlich gesagt gar nicht wissen, wie voll es da erst im Sommer wird…
Empfehlenswert: Mit einem der ersten Boote auf die Insel fahren und somit schon mal nicht auf einer überlaufenen Insel ankommen.
Aber Achtung: Gerade an Wochenenden und Feiertagen wird von vorn herein mit einem erhöhten Aufkommen der Touristen gerechnet und zu jeder angegebenen Abfahrtszeit fahren gleich mehrere Boote ab. Fährt man mit der zweiten „Fuhre“ muss man bereits mit einigen Menschen auf der Insel rechnen.
Eigentlich dumm: Dass ich diesen Tipp ausgeplaudert habe. ;) Aber mit etwas früherem Aufstehen, ist man wohl immer noch zeitiger dran als 80% der Touristen (Japaner…).
Kleiner Tipp: Lieber zeitig für die Rückfahrt anstellen, als zu spät. Zu gewissen Stoßzeiten wollen alle nach Hause! Zwar wird man nicht zurück gelassen, aber das Warten kann sich dann schon auch mal ziehen.

Verwundert: Die Tatsache, dass die Osterfeiertage für den Tourismus am Königsee wohl nicht sonderlich relevant zu sein scheinen.
Denn: Sehr viel Hotels und Restaurants haben noch geschlossen! Und auch die Boote fahren noch nicht alle Haltestellen an (besonders blöd für die, die gerne auch noch den Obersee mitnehmen möchten…).

Geärgert: Über das Essen! Am Königsee und in der Umgebung scheint man wohl alles ganz auf Touristen ausgelegt zu haben, die einmal und nie wieder kommen.
Ideal: Für jeden, der etwas deftig Bayerisches will und null Ansprüche hat, was Frische oder Qualität angeht.
Blöd: Für jeden anderen.
Erwähnenswerte Ausnahme: Das Restaurant, dass an das Hotel Edelweiss in Berchtesgaden angeschlossen ist. Gute, frisch gemachte Gerichte und eine mit Besonderheiten auftrumpfende Tageskarte (meine Mama hatte Nachtisch mit (!) Spargel), die dabei nicht übermäßig teuer sind. Reservieren lohnt sich; die wenigen Plätze sind nämlich schnell besetzt.
Unbedingt einen Bogen machen: Um das Café Grassl. Ernsthaft. Bleibt da weg! Wir wollten uns nur kurz aufwärmen und einen Kaffee trinken. Und waren danach froh, dass es schon kein Essen mehr gab.
Und: Die Fischbrötchen (angeblich frisch geräuchert und im Königsee gefangen… Klar, bei all den Touristenmassen müsste der See ja so auch gar nicht schon längst leer gefischt sein) sind lieblos dahin geklatschte Weißbrot-Hälften mit nicht gewürztem Fisch. Braucht kein Mensch.

Etwas genervt: Was für die Restaurant-Kultur dort gilt, scheint auch auf die Hotels zu zutreffen. Ich habe natürlich keinen Vergleich, aber zumindest in unserem gab es viele Kleinigkeiten, die nicht hätten sein müssen. Abgebrochene Kleiderhaken, nicht vorhandene Türgriffe an den Schränken, Türen die nicht gut schließen.
Und vor allem: Keine schalldichten Fenster an einer viel befahrenden Straße und noch dazu keinerlei verdunkelnde Vorhänge neben der Straßenlaterne… erholsamer Schlaf sieht anders aus!

Unsere kleinen, aber feinen Touren:

Alle nicht zu anstrengend und mit etwas Kondition (ein wenig bergauf geht es dann doch) gut in 1-2 Stunden machbar. Turnschuhe mit guter Sohle oder Bergschuhe sind trotzdem zu empfehlen.

Malerwinkel Rundweg: Schöne Aussicht; leicht für jeden machbar. Und selbst bei großem Touristenaufkommen sehr schön, immerhin fällt es leicht ein Foto vom See ohne verstellten Blick zu machen. Perfekt für einen ersten Eindruck vom Königsee.

Ramsauer Malerweg zum Hintersee: Auch wenn mich der See angesichts seiner Lager – gesäumt von Straßen und Parkplätzen – selbst etwas enttäuscht hat und ich die Gasstätten dort nicht unbedingt empfehlen kann, ist der „Aufstieg“ durch den Zauberwald nicht anstrengend und wohl vor allem mit kleinen Kindern ein Abenteuer (und als Erwachsener weiß man seine Schönheit zu schätzen). Letztlich würde ich empfehlen den Rückweg – nach Umrundung des Sees (was schnell machbar ist und keinesfalls die angegebenen 45 Minuten dauert) auch wieder durch besagten Wald anzutreten.

Vom Königsee (St. Bartholomä) zur Eiskapelle: Wenn man sich damit abfinden kann, dass diese Tour zwar gerne ganzjährig empfohlen wird und man dennoch nicht unbedingt die Eiskapelle zu Gesicht bekommt, ist dies eine sehr schöne Alternative zum Rundweg um die Insel. Immerhin bekommt man einen einmaligen Blick auf das Bergmassiv des Watzmannes zu sehen!
Allerdings: der Weg ist meiner Meinung nach (vor allem, wenn man diese Aussicht genießen will) nicht für kleine Kinder oder gar Kinderwägen geeignet!


Wenn auch oftmals überlaufen ist die Region um den Königsee definitiv einen Besuch wert! Auch im Frühjahr und selbst, wenn man nicht die Kondition für mehrstündige- oder gar Tagestouren besitzt.

Ein Wochenende rund um den Königssee
Ein Wochenende rund um den Königssee
Ein Wochenende rund um den Königssee

Makro Beauty Fotos {Lippen}

Das wird ein verhältnismäßig kurzer Post. Denn wenn ich dann mal dazu komme eine Fotostrecke zu zeigen,  tummeln sich hier ja meistens ein paar mehr Fotos. In diesem speziellen Fall sind es allerdings eher weniger.

Ich hatte es ja neulich schon einmal kurz angeschnitten, aber diese Makro Fotos waren in mehr als einer Hinsicht eine Herausforderung. Mal davon abgesehen, dass ich wirklich noch nie so viel über Zungen (schönes Thema, nicht wahr?) – der richtige Winkel, wie viel Zunge, wie wenig (das hört sich wirklich immer besser an!) – nachgedacht und diskutiert habe, war auch das hantieren mit zähen, aber dann doch recht schnell fließenden Flüssigkeiten eine wahre Herausforderung für die Make-up Artistin. Wir mussten schon sehr flott sein! Das Zeug setzt sich schneller in diverse Lippenfältchen ab, als man auf den Auslöser drücken kann.

Letztlich ist uns das zwar ganz gut gelungen, aber wir haben noch nie so lange und so viele Versuche für verhältnismäßig wenig Fotos gebraucht… Und der Spaß ging dann beim Retuschieren ja erst los! Die gerade schon erwähnten Zungen waren dabei definitiv der lustigste oder zumindest seltsamste Part. Es ist schon verrückt wie viel man da eigentlich bearbeiten kann. Und weil nach Plastik aussehende Zungen dann auch nicht dem gewünschten Ergebnis entsprechen, macht man alles wieder rückgängig… Mir war im Vorfeld gar nicht bewusst, wie schmal der Grat zwischen künstlich und natürlich bei Zungen liegt (oder dass überhaupt einer existiert).

Ich habe bei diesem Experiment definitiv eine Menge (über Zungen…) gelernt!

Beauty Lips Macro

Beauty Macro Lips

Make-up: Michaela Kireta
Model: Anita W.


PS: Und an dieser Stelle möchte ich kurz anmerken, dass ich doch sehr darüber enttäuscht bin, dass bei all diesen zig Erwähnungen des Worts „Zunge“ mein SEO Wert laut Yoast nur „Okay“ ist… Na ja, immerhin besser als meine durchschnittliche „Lesbarkeit“ der Artikel. Da die Sätze in meinen Posts immer „mehr als 20 Wörter“ enthalten, liegt meine Bewertung dabei immer nur im roten Bereich. ;)

Behind the Scenes für Cap Kendricks & Frozen Fortress

Was macht man, wenn es so kalt ist, dass einem gefühlt die Finger abfrieren, die Akkus in Rekordzeit sterben und man sich nur eingepackt wie ein Michelin-Männchen nach draußen wagen sollte? Genau. Man dreht ein Musikvideo.

Cap Kendricks; Frozen Fortress Musicvideo Behind the Scenes

Für diesen Dreh haben wir uns einen der schönsten, aber auch kältesten – und das sogar ganz offiziell – Tage des vergangenen Winters ausgesucht. Wobei „aussuchen“ dabei relativ ist; natürlich hatten wir eine Deadline, vor Weihnachten/Neujahr weder das richtige Wetter, noch gab der Terminkalender den dazu nötigen Platz her und dementsprechend letztlich zeitlich gar keine andere Möglichkeit als uns an einem der kältesten Tage des Winters auf den Weg in den Wald zu machen. Und mal ehrlich: bei dem Songtitel? Da muss es ja quasi kalt sein…

Wir hatten also nicht unbedingt die idealen Bedingungen; zumindest für ein Model. Oder Akkus (von denen ich gleich mehrere in meinen Jackentaschen untergebracht hatte; um sie wenigstens so warm wie möglich zu halten).

Was wir allerdings hatten war definitiv einer der zauberhaftesten Wintertage des Jahres. Eigentlich sogar DER schönste Tag des Winters (so schön war der Winter selbst kurze Zeit danach nicht mehr). Denn was uns da geboten wurde, war schlicht und ergreifend zauberhaft. Frisch gefallener Schnee, noch völlig unberührte Landschaften und grandioses Licht. Selbst das Wasser der Isar war wärmer als die Umgebung und dampfte in der klirrend kalten Luft; was der Szenerie ein bisschen Mars-Feeling verlieh (und mich zumindest ein wenig an Schwefeldampf auf Island erinnerte).

All das machte die widrigen Bedienungen immerhin etwas wett.

Denn ganz einfach war die Arbeit an diesem Tag natürlich nicht.

Von Fußspuren im Schnee und Rauchbomben…

Schon relativ früh in der Planung stand fest, dass wir das Video in der Umgebung meiner Heimat drehen würden. Die größten Mittel hatten wir nicht zur Verfügung, aber wir gingen davon aus, dass die Natur das wett machen und uns zahlreiche Möglichkeiten bieten würde. Das tat sie auch, in der Praxis stellte sich frisch und vor allem nicht unerheblich hoch gefallener Schnee dann allerdings als nicht ganz einfach zu handhaben heraus.

Habt ihr schon mal versucht elegant durch den Schnee zu „stapfen“? Genau. Das klingt schon als wäre es zum Scheitern verurteilt und „stapfen“ ist wahrlich das beste Wort dafür. Denn: es geschaltet sich recht schwierig sich wie eine Gazelle im verschneiten Wald zu bewegen.
Ich will erst gar nicht davon anfangen, wie schwer es erst ist einigermaßen ruhige Bilder und Bewegung mit der Kamera einzufangen, während man bei jedem kleinen Schritt im kniehohen Schnee einsinkt…

Und wie schnell sich doch tiefe – kraterähnliche – Fußspuren durch eine einst unberührte Schneelandschaft ziehen, wenn man erst mal ein, zwei Stunden an einer Location gedreht hat! Irgendwann begannen wir Szenen in den eh schon ramponiert aussehenden Bereichen zu üben; um uns auch ja die verbliebenen Möglichkeiten nicht frühzeitig zu nehmen. Und was die Rauchbombe anging? Von der hatten wir genau eine… Was uns natürlich überhaupt nicht unter Druck gesetzt hat (wobei die unerwarteterweise noch das geringste Problem war; im Gegensatz zu früheren Versuchen mit diesen Dingern, kam dieses Mal weder Wind auf noch sonstige Widrigkeiten dazwischen und ich muss sagen: in solch – zugegeben seltenen – Fällen brennen die wirklich recht lang und hübsch).

Ein bisschen unwohl habe ich mich ehrlich gesagt mit all dem roten Rauch im Wald ja schon gefühlt… Öhm… Na ja, wenn’s keinen stört…

… über Bäumchen rütteln dich und schüttelt dich…

Sobald sich irgendein Baum in erreichbarer Nähe dazu entschloss, die Schneelasten abzuschütteln, ließen wir alles stehen und liegen, um dorthin zu eilen und Ly möglichst ansehnlich darunter zu platzieren. Denn man glaubt es kaum, aber so ein durchschnittlicher Baum lässt sich nicht allzu leicht dazu verleiten Schnee auf einen herunter „regnen“ zu lassen. Da half alles schütteln und rütteln nicht; selbst Schneebälle zeigten nur mäßig Erfolg. Wir machten die Erfahrung: es gibt gute und schlechte Bäume. Bei den Guten fiel im besten Fall nach einer stürmischen Umarmung unsererseits etwas herunter. Die Schlechten ließen sich nicht von einem herzlichen Drücken beeindrucken und schickten höchstens viel später und zu einem völlig unpassenden Zeitpunkt eine Ladung Schnee herab.

… bis hin zum Beinahe-Abgeschleppt-werden-müssen.

Nachdem der erste Teil der Szenen „im Kasten“ und die ersten Akkus leer waren (Himmel, bei der Kälte ging das so schnell), stand nicht nur ein Locationwechseln an, nein, wir brauchten auch alle eine kleine Pause. Von Aufwärmen konnte nicht wirklich die Rede sein, wir haben aber immerhin eine kleine Brotzeit in meinem Kofferraum ausgebreitet und in der Sonne etwas gegessen. Viel Zeit blieb jedoch nicht, denn im Winter arbeitet wirklich alles gegen einen: die Kälte, die Berge, hinter denen die Sonne viel zu schnell verschwindet…

… und die Straßenverhältnisse! Denn die Orte, die ich für den zweiten Teil des Drehs vorgesehen hatte, sind im Winter zwar über eine Mautstraße zugänglich und diese wird auch geräumt; das gilt allerdings nicht für die Parkplätze. Das bescherte uns zwar menschenleere und noch absolut unberührte Landschaft, bedeutete jedoch auch wildes Parken. Was wiederum einerseits – angesichts der nicht vorhandenen Menschen; aka keinem Verkehr – kein Problem darstellte, andererseits aber auch dazu führte, dass ich bei meinem Versuch – wenn schon… – zumindest am Straßenrand zu parken, im Schnee stecken blieb.

Ehrlich gesagt sah ich mich schon im Schnee festgefahren und ohne andere Möglichkeit als meinen Papa zur Hilfe zu rufen… das wäre eine Story für die Familienmemoiren geworden, die ich mir noch in 20 Jahre hätte anhören müssen! Beinahe wäre ich auch so weit gewesen schon die Fußmatten unter die Reifen zu legen, während ich allerdings noch überlegte, ob die wohl unter die Vorder- oder Hinterräder (… bitte… sagt nichts…) gehören (wiederum ein Tipp von meinem Papa, an dem ich mich wenigstens noch erinnert habe), schafften wir es dann zu viert eben doch noch mein Auto aus dem Schnee zu bekommen.

Das mit dem sowieso-nicht-vorhanenden-jedoch-möglicherweise-vorkommenden-Verkehr war mir danach herzlich egal. Vom Straßenrand hielt ich wohlweislich gehörigen Abstand.

Frozen Fortress

Das Ende des Tages kam schneller als gedacht und so war die letzte Szene im wahrsten Sinne des Wortes mit dem letzten Fitzelchen Licht im Kasten. Schon auf der Rückfahrt, die Mautsraße entlang und noch beim Versuch ein paar letzte Bilder einzufangen, wurde es stockdunkel (aus einem fahrenden Auto heraus zu filmen, während man über eine unebene, verschneite Straße fährt ist übrigens auch keine allzu gute Idee. Zumindest nicht wenn man selbst drin sitzt und freihändig filmt…).

Und somit ging dann ein sehr anstrengender, sehr kalter und aber auch sehr wunderbarer Tag zu Ende.

Fazit: eine Stumpfhose UND eine Jeans unter einer Skihose zu tragen macht definitiv weder sonderlich viel für die Figur (und manch einer stellt fest, dass seit dem letzten Anprobieren doch etwas mehr Zeit vergangen ist und die Hose vielleicht nicht mehr ganz so gut passt…), noch verleiht es einem Grazie. Allerdings: ich kam manchmal fast ins Schwitzen. Zumindest ich; das Model durfte frieren.

Music: Cap Kendricks
Haare/Make-up: Hannah Manser
Model: Ly
Video: Christine Polz


PS: Unser Video hat es in die diesmonatigen Top5 der Musikvideos beim Bayerischen Rundfunk geschafft!