San Francisco und ich – eine Liebesgeschichte mit eingeschlagenem Fenster

Seit meinem ersten Besuch vor ein paar Jahren hat sich meine Beziehung zu San Francisco im Wesentlichen nicht geändert: San Francisco ist die schönste Stadt der Welt. Danach kommen Venedig und Nagasaki – eine abenteuerliche Mischung, nicht wahr? – und anschließend streiten sich ein paar tolle Städte, ohne das ein klarer Sieger hervorgeht, um die folgenden Ränge; aber San Francisco, jene hügelige Stadt an der Küste Kaliforniens, ist und bleibt für mich die tollste Stadt überhaupt.

Dabei kann ich nicht einmal genau sagen was mich an ihr so reizt. Mit Sicherheit all die schmalen, wunderschönen, alten Häuser. Die Golden Gate Bridge. Oder die Piers. Und diese ganz besondere Mischung aus unglaublich sanften, goldenen Licht und dem Meer. Aber auch die zahllosen Hügel. Die es einem zwar anstrengend, aber nicht unmöglich machen die ganze Stadt – eine Mischung aus alten Bauten und modernen Hochhäusern, die trotz ihrer Gegensätze doch so gut zueinander passen – zu Fuß zu erkunden (was ich vor ein paar Jahren und bei meinem ersten Mal in ihr auch getan habe; tatsächlich ist die eigentliche Stadt nämlich relativ klein). Und selbst der beinahe immer allgegenwärtige Nebel – der den Touristen öfter als nicht den Blick auf die Golden Gate Bridge verwehrt – hat seinen Reiz. Vor allem, und ganz besonders, wenn es ein sonniger Tag war und er erst gegen Abend in die Bucht rollt; vom untergehenden Sonnenlicht feuerrot gefärbt.

Egal wo ich war – und ich hatte in den letzten Jahren das Glück ganz schön herum zu kommen – gab es keine schönere Stadt für mich.

Wenn Zurückkommen weh tut…

Und so war der Stop in San Francisco, als wir vom Yosemite Nationalpark zurück an die Küste fuhren, für mich nicht nur ein nötiges Übel, sondern ein Muss. Nachdem ich beim ersten Mal dort, die Stadt komplett zu Fuß erkundet hatte und mich dabei auf auf die älteren Viertel konzentriert hatte, während meines zweiten Besuchs im eher modernen Bankenviertel unterwegs war, wollte ich nun – endlich mit Mietwagen – zwar dem Pier und den Seelöwen einen kurzen Besuch abstatten, mich dann aber vor allem auf Aussichtspunkte auf die Golden Gate Bridge konzentrieren. Die hatte ich bei den letzten Malen – dank Nebel – nämlich nie in ihrer vollen Pracht gesehen.

Das Wetter dafür stimmte (kein Nebel in Sicht!), die Seelöwen waren eher träge und hatten allem Anschein nach an jenem Tag nicht viel mehr als Schlafen auf ihrer Agenda und so kehrten wir bereits nach recht kurzer Zeit zu unserem Auto zurück. Das hatte vermeintlich sicher in einer Nebenstraße, nur wenige hundert Meter vom Pier entfernt, gestanden. „Vermeintlich“ sicher, denn während wir allerhöchsten einen Strafzettel für die Überziehung der Parkgebühren (die haben dort aber auch ein doofes System…) erwarteten, begrüßte uns anstatt dessen ein Auto, mit einem Fenster weniger. Und ich – wie immer mit der Kamera heillos hinterher hinkend – hielt das im ersten Moment noch für einen Scherz, als einer – Schwester oder Papa; so genau weiß ich das nicht einmal mehr – nüchtern feststellte: „Da fehlt ein Fenster.“

Auf kurze Panik – da hatte ich zur Abwechslung definitiv mal einen höheren Blutdruck als 90/60 – folgte maßlose Erleichterung, als wir feststellten, dass weder Koffer noch die Tasche mit den wichtigsten Dokumenten weg gekommen war. Heilfroh wie wir waren, fiel uns tatsächlich auch erst viel später auf, was denn gestohlen worden war. Koffer? Check. Tasche mit Flugtickets und Reservierungsbestätigungen? Check. Kamera etc.pp? Hatte ich eh dabei. Nur der Rucksack meiner Schwester – der war weg.
Aber das kapierten wir in unserer grenzenlosen Naivität, in der wir annahmen jemand wollte einfach nur gemein sein und Fenster einwerfen, erst beim Umladen des Gepäcks ins neue Auto.

Zunächst herrschte einfach nur Verwirrung.

Bevor wir bei unseren Überlegungen allerdings über: „Wir müssen die Mietwagenfirma und die Polizei anrufen.“, hinaus kamen und uns ersthaft fragen mussten (ihr wisst schon: akute Verwirrung und so) welche Nummer die Polizei in Amerika überhaupt hat, kam ein freundliches Ehepaar, mittleren Alters, mit dem Rad vorbei.

… und man dennoch mit einem blauen Auge davon kommt.

Und was dann passierte, war etwas, was man in Deutschland wahrscheinlich nur in Ausnahmefällen und mit ganz viel Glück erleben würde: grenzenlose Hilfsbereitschaft!

Die beiden riefen nicht nur sofort von ihrem Handy aus die Polizei für uns an (weil wir ja mit Sicherheit keine amerikanische SIM Karte haben und uns so ja dumm und dämlich zahlen würden), klärten den Fall, reagierten genervt und mit Unverständnis auf das „too busy“ der Polizei und da sie leider selbst keine Zeit mehr hatten, verwiesen sie uns an den Arbeitsplatz der Ehefrau. Der befand sich nicht nur gleich ums Eck, man versicherte uns auch, dort könnten wir in Ruhe mit der Mietwagenfirma telefonieren. Und damit man uns da auch ja freundlich empfangen würde, fuhren die beiden auch gleich noch eben mit dem Rad vorbei und klärten die Lage.

Tatsächlich verbrachten wir die folgende Stunde an der Rezeption eines Fitnessstudios (das übrigens derart edel und modern eingerichtet war, dass ich mir in Sportklamotten „underdressed“ vorgekommen wäre) am Telefon und wurden munter von einem verantwortlichen Mitarbeiter der Mietwagenfirma zum nächsten verbunden.

Aber anstatt die Geduld mit uns zu verlieren, teilte man fröhlich mit uns das WLAN Passwort und half – trotz um uns herum weiterlaufenden Betriebs – aus, als uns die Sache wirklich zu bunt wurde und man nach dem x-ten Weiterverbinden, annahm ich wäre eine Dame aus Orlando (Florida…), der der Wagen geklaut worden war.

Aus „Wir lassen Sie auf gar keinen Fall mit einer kaputten Scheibe weiterfahren“, wurde zwar recht schnell: „Schaffen Sie es bis zur Filiale am Flughafen?“, dennoch konnten wir uns an diesem Nachmittag wirklich nicht über mangelnde Hilfsbereitschaft beschweren. So blöd das alles war und auch wenn der Tag spätestens als wir bemerkten, dass eben doch etwas – der Rucksack meiner Schwester voller persönlicher Sachen – gestohlen wurde, gelaufen war, machten zumindest die Menschen um uns herum alles etwas besser.

Daran, dass wir uns am Ende 45 Minuten durch den Feierabendverkehr San Franciscos zu einer McDonald Road quälten, nur um am Ende festzustellen, dass passiert war, was eben immer passiert wenn irgendwie alle mit den Nerven am Ende sind, und wir mit Nichten an einer Filiale der Autovermietung, sondern mitten im Nirgendwo gelandet waren und anschließend wiederum 1 1/2 Stunden in die andere Richtung zur McDonnell (…) Road mussten, waren die wahrlich nicht schuld!

Und obwohl wir an diesem Abend völlig ausgehungert und ziemlich dünnhäutig ins Motel zurückkehrten, war ich spätestens am nächsten Tag – und endlich an jenem Aussichtspunkt angekommen – wieder mit dieser wunderschönen Stadt versöhnt. Wie sollte es auch anders sein? Bei Sonnenuntergang, am Strand, mit umverhangenem Blick auf die Golden Gate Bridge?

San Francisco ist und bleibt die schönste Stadt der Welt für mich!

„San Francisco has only one drawback, it’s hard to leave“ – Rudyard Kipling

San Francisco bei Sonnenuntergang; Kalifornien

San Francisco bei Sonnenuntergang; Kalifornien

San Francisco bei Sonnenuntergang und Nebel; Kalifornien

San Francisco bei Sonnenuntergang und Nebel; Kalifornien

Fahrt über die Bay Bridge nach San Francisco; Kalifornien

San Francisco; Kalifornien

San Francisco; Kalifornien

San Francisco; Kalifornien

Strand San Francisco bei Sonnenuntergang; Kalifornien

Golden Gate Bridge vom Strand aus; San Francisco; Kalifornien

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  1. jorinna

    29. September 2017 um 12:44 Uhr

    Super schöne Fotos, die die Stimmung in SF einfach wunderbar einfangen. <3 <3 <3

    Antworten
  2. Jasmin

    6. September 2017 um 13:37 Uhr

    Sehr sehr schöne Fotos von SF. Möchte dort gerne auch mal hin und did Hippie Viertel erkunden :D und die Auto Geschichte klingt abenteuerlich aber ist ja noch mal gut gegangen!

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  3. Diana

    1. September 2017 um 13:11 Uhr

    Liebe Christine, ein schöner Beitrag mit noch schöneren Bilder. Ich war noch nie in San Francisco, eigentlich noch nie in der USA. Aber wenn ich deinen Beitrag so lese, will ich San Francisco gerne besuchen.
    LG, Diana

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  4. Anne

    30. August 2017 um 21:19 Uhr

    Liebe Christine, wunderschöne Momentaufnahmen in Text und Bild. Gefällt mir persönlich noch besser als die Standard Reisebeschreibungen. Ich hatte (wie immer) Spaß beim Lesen!
    Liebe Grüße
    Anne
    https://trustyourgut1.blogspot.de/

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  5. Maren

    30. August 2017 um 20:00 Uhr

    uhlalala!:))) ein sehr cooler Beitrag, vielen Dank für diese Inspriartion! Ich glaube ich muss auch mal wieder raus :O :D…ich sitze hier gerade in meiner kaschmir wolle (die sommergrippe hat mich erwischt) und mich packt das fernweh :(….nun ja, nächstes jahr dann wieder! ;) Liebe Grüße! Maren ;)<3

    Antworten
  6. Anne

    30. August 2017 um 18:34 Uhr

    Hallo Christine,
    ich bin zwar gerade eher mal wieder (immer noch…) eine Zaungast-Bloggerin, aber lese mit. Seit Kurzem sind wir in Südfrankreich und bleiben auch noch einige Wochen, mal sehen, wenn ich mal wieder zum Bloggen komme… Das Kleinchen ist aktiv hoch 13 und man muss den ganzen Tag hinterherrennen. Nicht, dass sie nicht zurecht kommt, aber du glaubst gar nicht, was man alles finden kann, um sich in den Mund zu stecken, dass da nicht hingehört. Blätter sind noch harmlos :P
    Aber das spielt ja hier gar keine Rolle, oder? Ich mag deinen Beitrag, ich mag die Geschichte und das Thema „Lieblingsstädte“. Weil sich meine Lieblingsstädte so verändert haben. Früher war ich nämlich avon überzeugt, neben Paris keine andere große Liebe zu haben, vor allem, nachdem ich dort ne Weile gelebt hatte. Mittlerweile gibt es viele Lieblinge und irgendwie auch keine, denn im Laufe der Zeit und der vielen Reisen (mehr, als ich je zu träumen wagte) wurde ich der Städte überdrüssig und suchte kleine Orte auf. Wohin ich immer zurückkehren würde (außer Chiang Mai): Busan in Südkorea und Yangon in Myanmar. Auf der Wunschliste steht San Fran ganz dick, dort würde ich liebend gerne mal ein paar Wochen verbringen. Hab allerdings mal ne interessante Reportage gehört, dass die Mietpreise so hoch sind, dass viele Einheimische aus der Stadt rausmüssen. Aber träumen darf man ja trotzdem… Falls mein Mann mal dort angeheuert wird, gehen wir, träumen darf man ja ;)
    Kaputte Mitwagen, davon konnte ich in Australien ein Lied singen. In New York hielt übrigens eine Putzfrau im Hostel meine persönlichen Dinge, die in einer Tüte zwischenglagert waren, für Müll. Sind nie mehr aufgetaucht – deine arme Schwester, das ist echt Mist. auptsache, euch ist nichts passiert, aber trotzdem.
    Viele Grüße und ich freu mich auf weitere Beiträge, erstmal aus der Zaungast-Perspektive, Anne

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