Simple Lichttechniken mit 1-2 Softboxen

Simple Lichttechniken mit 1-2 Softboxen

Auch wenn es viele nicht mehr wahrhaben wollen: es ist gerade einmal März und der Winter somit durchaus noch Realität. Und für viele heißt das: im Dunklen aus dem Haus gehen und – zumindest im Halbdunkeln – nach Hause kommen. Also dann wenn das Licht schon längt verschwunden ist. Oder man hat das Pech und sieht wochenlang nicht mehr als graue Nebelsuppe. Wenn man dann noch gerne Fotos für den Blog (oder für was auch immer) machen möchte, wird es schnell recht deprimierend. Gerade In Innenräumen hat man in Deutschland nun mal monatelang nicht wirklich viel oder gar ausreichend Licht dafür. Dabei gibt es ein paar ganz einfache Lichttechniken, für die man weder viel Equipment noch ein großes Studio benötigt. Daher breche ich heute ein wenig aus den üblichen Nehmen hier aus und stelle euch ein paar simple Techniken vor, für die man nicht mehr als zwei (und meistens sogar nur eine) Softbox benötigt. Also quasi Kunstlicht, das für jeden erschwinglich und machbar ist.

Bitte beachtet hierbei, dass euch all diese Tipps und Tricks wenig bringen werden, solltet ihr den manuellen Modus eurer Kamera nicht beherrschen. Denn Blitzlampen haben eine Sync-Speed. Komplizierte Sache einfach zusammengefasst: über eine Belichtungszeit zwischen 1/125 und 1/250 könnt ihr nicht gehen, ohne schwarze Balken im Foto zu haben. Ihr müsst also grundlegende Dinge über das Verhältnis zwischen Blende, Belichtungszeit und ISO haben. Das ist aber auch alles, was ihr an Vorkenntnisse mitbringen müsst (und glaubt mir: der manuelle Modus ist nur halb so beängstigend, wie er anfangs erscheinen mag).


#1 Gegenlicht „faken“

Diese Technik kann man grob in zwei Kategorien unterteilen. Die, bei der man zwei Softboxen benötigt und die, die auch mit einer machbar ist.

Gegenlicht mit einer Softbox „faken“ – emotionales Porträt

Studio light diagram for faking backlight; emotional portrait; softbox
Lichtdiagramm zum „faken“ von Gegenlicht (Porträt)

Solltet ihr vorhaben ein einfaches, emotionales Porträt, vielleicht sogar in s/w zu fotografieren, ist die Sache einfach. Besorgt euch eine Softbox und positioniert sie hinter eurem Model. Fertig. Nun ja, nicht ganz. Die Sache ist nun die, dass die Softbox wie starkes Tageslicht wirken wird und wunderbares Gegenlicht (je nach Position sogar mit Lichtreflexen) hervorbringen wird. Und nun werdet ihr die Blende öffnen (nicht vergessen: kleine Blendenzahl bedeutet offene Blende) bzw den ISO Wert  (die Lichtempfindlichkeit) hochschrauben müssen, wenn ihr nicht nur eine schwarze Silhouette auf eurem Foto haben wollt. An diesem Punkt scheitern alle Automatik-Modi eurer Kamera, daher müsst ihr manuell fotografieren.
Natürlich könnt ihr den ISO-Wert nicht unendlich erhöhen, irgendwann wird es zum berühmten Bildrauschen (diesem schönen Gekrissel) kommen. Aber mit relativ neuen Kameras (und gerade bei schwarz/weiß) kann man sich schon so einiges mit dem ISO-Wert erlauben.

Sollte das Bildrauschen dennoch überhand nehmen, kann ich euch nur empfehlen euer Model in Richtung Fenster zu positionieren. Also: Softbox hinter Model, Model in Richtung Fenster, ihr mit Rücken zum Fenster. Somit könnt ihr noch ein wenig Restlicht von draußen nutzen und den ISO Wert etwas herunter schrauben. Klappt natürlich nur, wenn draußen noch etwas Licht vorhanden ist.

Wenn das nicht der Fall ist, müsst ihr eine zweite Softbox zur Hilfe nehmen; womit wir auch schon bei der zweiten Variante dieser Technik wären.

Gegenlicht mit zwei Softboxen „faken“ – Beauty Porträt

Studio light diagram for faking backlight; beauty portrait
Lichtdiagramm zum „faken“ von Gegenlicht (Beautyaufnahme)

Mit genau dieser Technik sind nämlich die hier zu sehenden Beauty-Porträts entstanden. Gerade bei solchen Fotos, möchte man das Bildrauschen nämlich so gering wie möglich und den ISO Wert sogar bei 100 halten. Da noch dazu die Tiefenschärfe möglichst groß sein soll (um auch wirklich alle Details des Gesichts scharf zu haben – Poren-Retusche lässt grüßen!), kommt man hierbei um eine zweite Softbox nicht herum.

Die Technik bleibt die gleiche, ihr positioniert die Softbox wieder direkt hinter dem Model und nutzt diese als „künstliches“ Sonnenlicht. Aber anstatt den ISO hochzuschrauben, verwendet ihr eine zweite Lampe, die in die Richtung des Models gerichtet ist und das „Gegenlicht“ ausgleicht.

Für Fortgeschrittene: ein Reflektor oder Diffusor (hier tut es auch gerne ein Stück weißer Karton oder Styropor; die reflektieren genauso gut) von schräg unten gleicht zu harsche Schatten unter dem Kinn aus.

Natürlich ist es bei „normalen“ Porträts nicht unbedingt nötig auf die Tiefenschärfe zu achten und ihr könnt sogar ein bisschen mit Blende und Unschärfe spielen. Das erspart euch sogar eine Menge Retusche! Bei diesem Licht und einer Nahaufnahme sieht man nämlich wirklich jegliche Pore und man würde sich wundern wie viele selbst Menschen mit perfekter Haut doch haben…

 

#2 Rembrandt Licht – perfekt für hochwertige Porträts

rembrandt-light-diagram
Lichtdiagramm für Rembrandt Licht

Diese Lichttechnik sagt wahrscheinlich nur denjenigen etwas, die sich schon mal mehr mit Fotografie und Licht auseinander gesetzt haben. Und dennoch ist sie eine der am meisten verwendeten Techniken überhaupt, deren Ergebnis jeder – wenn wohl auch unbewusst – wirklich jeder schon einmal gesehen hat. Ob nun auf klassischen Gemälden oder Fotos. Rembrandt-Licht ist nichts anderes als jenes Licht, dass unter einem Auge das berühmte „Dreieck“ erzeugt. Dieses kann mal stärker, mal weicher ausfallen.

Essentiell bei dieser Technik ist sowohl die Größe der Lichtquelle, als auch die genaue Postion.
Umso größer die Softbox, umso softer wird der Schatten ausfallen (anders herum, werden die Kontraste und Schatten natürlich härter, wenn ihr eine relativ kleine Lichtquelle benutzt).

Positioniert wird diese Lichtquelle in der Regel seitlich vom Model, ungefähr – und je nach Pose – auf Schulterhöhe. Umso näher das Licht sich dabei beim Model befindet, umso härter wird wiederum der Effekt. Abschwächen lässt sich die Wirkung aber auch, wenn man den Winkel der Lichtquelle etwas verändert; die Lampe also etwas schräger stellt und man das Model somit mehr mit Licht „umschließt“.

Sollten die Schatten auf der vom Licht abgewandten Gesichtshälfte dennoch zu harsch und dunkel werden, kann man sich leicht mit einem Diffusor oder Reflektor Abhilfe schaffen (notfalls tut es übrigens auch hier ein Stück weißer Karton oder Styropor; das reflektiert genauso gut). Diese reflektieren etwas vom Licht zurück und hellten die Schatten auf.
Wahlweise hilft auch ein Fenster (mit Tageslicht) auf dieser Seite. So braucht man selbst für diese Technik und vor allem für Porträts nur eine Lampe.

Natürlich gibt es zig Varianten davon, mit diesem Licht kann man sehr viel spielen. Die Position der Lampe variieren, doch noch ein Weiteres „Füll“-Licht dazu holen, mit der Intensität und den Schatten spielen… die Möglichkeiten sind unendlich und gerade für Porträts ist die Technik bestens geeignet. Nicht schwer umzusetzen und dabei so wirkungsvoll, dass auch einfache (Porträt-) Fotos gleich etwas „professioneller“ wirken.

Getrickst haben wir bei dem Beispiel oben übrigens auch noch mit einer simplen Schreibtischlampe. Ja, richtig gelesen! Einer ganz gewöhnlichen Lampe, die jeder daheim und in unserem Fall noch zusätzlich die Schatten erhellt hat.

 

#3 „Clamshell“ Licht – oder: perfektes Licht für Outfitfotos

clamshell-light-diagram
Lichtdiagramm für „Clamshell“ Licht

Ich denke dieses Problem dürften zumindest die Fashion Blogger unter euch kennen (Fotografen natürlich sowieso….). Es ist Winter, es wird früh dunkel und somit wird es schwer vernünftige Outfitfotos zu schießen. Gerade in Innenräumen und bei eh schon spärlichem Winterlicht. Mit ein bisschen Kunstlicht-Unterschützung lässt sich aber auch da sehr leicht Abhilfe schaffen.

Machen wir uns nichts vor: richtig große Softboxen machen tolles Licht, gehen aber auch ziemlich schnell ins Geld. Anfangs habe ich also ein bisschen getrickst und mir auch mit zwei relativ kleinen Boxen geholfen: mit dem sogenannten „clamshell“ Licht. Clamshell ist die Muschelschale und genau so kann man sich diese Technik auch gut vorstellen. Man „umschließt“ das Model quasi mit Licht und in diesem Fall eben mit zwei Softboxen.

Das einzige wobei man hier achten muss: der Winkel und der Abstand der Softboxen. Sie sollten leicht schräg und dabei symmetrisch stehen, um eine gleichmäßige Ausleuchtung zu erzielen.
Der Abstand zwischen ihnen darf allerdings nicht zu groß werde, denn sonst hat man schnell ungewollt seltsame Schatten in der Mitte des Gesichts und Körpers.

Ansonsten kann man bei dieser Technik allerdings nicht viel verkehrt machen. Man kann ein bisschen mit dem Abstand des Models zu den Lampen spielen: um möglichst den ganzen Körper auszuleuchten, sollten die Softboxen zwar etwas weiter entfernt stehen, dürfen sich aber – je nach Größe dieser – auch nicht zu weit weg befinden (sonst liegt recht schnell alles ab der Brust im Schatten). Mit etwas Abstand und ein bisschen mehr „Blitz“-Power kann man aber selbst mit kleinen Lampen gute und gleichmäßige Ergebnisse erreichen.


Ein paar Worte zu meinem Equipment

Mittlerweile bevorzuge ich andere – größere – Lichtformer und habe so einige davon selbst bzw. ausprobiert. Sie ersparen mir Retusche (man würde gar nicht glauben, was an Zeit dafür drauf geht, abfallendes Licht auszugleichen), die allerdings – wie schon erwähnt – unter Umständen ganz schön ins Geld gehen. Was nicht unbedingt sein muss – gerade am Anfang oder wenn man nur hin und wieder auf Kunstlicht angewiesen ist.
Angefangen habe ich mit einem Set aus zwei Blitzlampen und eben jenen Softboxen, die  gerade mal die Maße 40cmx60cm hatten. Was wahrlich nicht sonderlich groß ist. Dennoch sind alle hier gezeigten Fotos wirklich mit dieser Kombination entstanden! Große Octaboxen vereinfachen die Sache (vielleicht; ist manchmal Ansichtssache), sind aber nicht unbedingt für gute Ergebnisse nötig. Man muss sich eben nur zu helfen wissen.

Besagtes Set (und die Taschen sehen jetzt besser und praktischer aus, als die, die ich noch habe) fand ich übrigens für den Anfang sehr gut und vielseitig einsetzbar. Perfekt um die ersten Schritte in Richtung Studiolicht zu gehen, flexibel und schnell auf- bzw. wieder abzubauen (was sie mobil macht). Wer sich gerne noch etwas mehr ausprobieren möchte und eine günstige Variante sucht: diese Schirme sind ideal dafür. Mit Diffusor (der bei den meisten Modellen mitgeliefert wird), lassen sie sich auch wunderbar als Softbox einsetzen und sind dabei wesentlich günstiger als diese.

Und wer sich einfach mal ausprobieren will oder gar nicht weiß wofür sich entscheiden: es gibt wirklich zig Verleihe für Fotobedarf. Selbst wenn man also keinen in seiner Stadt oder in der Nähe hat, wird man im World Wide Web schnell fündig. Die schicken einem die gewünschten Sachen zu, man behält sie für ein, zwei Tage und gibt sie dann auf jeden Fall schlauer zurück. Dabei ist das Leihen wirklich günstig und somit die perfekte Variante, wenn man recht unschlüssig ist welche Lichtformer zu einem und dem Können/den Bedürfnissen passen. Perfekt also für ein paar Experimente.

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  1. Liebe Christine, das lässt sich sicher auch auf Food anwenden, danke für die Tipps! Ich verwende im Winter eine Softbox, aber mehr aus Not als Leidenschaft. Wegen des Cookiedough-Kuchens: Ob man sich schnell dafür begeistern kann, hängt vermutlich auch davon ab, ob man schon immer in wenig Teig stibitzt – probier es gerne mal aus, es schmeckt großartig! Viele Grüße, Isabelle

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  2. Liebe Christine,

    vielen Dank für diesen Beitrag. Ich überlege schon sehr lange, mir eine Softbox zuzulegen, weil ich nicht ständig vollkommen abhängig vom realen Lichtverhältnis sein will, oder eben bei einem Shooting bei bewölkten Himmel den ISO Wert geringer halten möchte. Zwar habe ich in letzter Zeit leider sehr wenig fotografiert, aber an sich wäre die nicht ganz so teure Variante eine Möglichkeit, die ich in Erwägung ziehen würde. Einmal ist ein S/W Shooting mit einer Freundin auch total daneben gegangen, weil das Licht das das wir zur Verfügung hatten einfach grausam war und zudem die unmöglichsten hässlichsten Schatten geworfen hat.
    Sehr schön bei diesem Beitrag finde ich deshalb auch die Tipps, wie man die Softboxen und den Reflektor positionieren sollte, um ein bestimmtes Ergebnis zu erzielen. Das gibt gleich Tipps für den Einstieg und macht mir noch mehr Lust, mir eine Softbox zuzulegen.

    Liebe Grüße,
    Alex

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  3. Shanee

    7. März 2017 um 0:01 Uhr

    Das hast du wirklich sehr schön erklärt. Jetzt komm ich mir ein bisschen vor wie in der Berufsschule, wir haben die gleichen Schaubilder benutzt. ^^ Hach ja… aber auf jeden Fall sehr gut und anschaulich erklärt. ♥

    *

    Fachbücher sind wirklich ein Thema für sich. Ich meine grundlegend könnte ich ja auch nur lesen was mich interessiert, aber gerade beim Buddhismus will ich das komplette Buch lesen und nichts auslassen. Da gibt es einfach auch etwas zähere Kapitel. Nunja… aber ich werde das schon schaffen und danach gibt es wieder Romane. ;)

    *hahaha* Ja das kann ich wirklich gut nachvollziehen, nach Shootings oder Fotoausflügen ging es mir immer genauso. Das lustige ist ja, dass ich das nicht nur beim Fotoequipment habe/hatte, sondern auch mit jeglichen anderen Dingen. Seit ich aber zum Beispiel das Schlafzimmer ausgemistet habe und alles seinen Platz hat, wandert es auch direkt wieder dort hin. Das tut echt gut und ich hoffe, dass sich das auch auf die restliche Wohnung abfärbt. ^^

    Na das klingt doch super! Das macht mir wirklich Mut. Aber ich merke es ja jetzt schon am Schlafzimmer, man fühlt sich einfach wohler und das möchte ich in der restlichen Wohnung auch erreichen. :D

    Ich wünsche dir einen wundervollen Wochenstart und ganz liebe Grüße! :-*

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